02/26/2015 08:30

Die Higgs-Jäger

Category: Wissen

Solche Aufnahmen von Zerfallsexperimenten sollen Internet- Nutzer untersuchen. Auf diesem Bild ist unterhalb des Zentrums etwa zwischen 4:00 und 5:00 Uhr eine Spur zu sehen, die nicht im Zentrum, sondern scheinbar im Nichts beginnt (Pfeilmarkierung) – ein Hinweis auf den Zerfall eines „unsichtbaren Teilchens“, möglicherweise eines Higgs-Bosons.

Was das ominöse Higgs-Boson betrifft, so schienen die Forscher beim Large Hadron Collider in Genf mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden zu sein. Mehrfach musste die medienwirksam angekündigte Nachricht, es sei nun endlich entdeckt worden, wieder dementiert werden. Inzwischen hat sich in der Mainstream-Presse die Meinung durchgesetzt, es sei (vermutlich 2012) doch „offiziell entdeckt“ worden. „Vermutlich“ deshalb, weil man offenbar nur das letzte Dementi nicht zur Kenntnis genommen hat, denn auch die letzten Erfolgsmeldungen von CERN waren immer noch mit dem Zusatz versehen, dass die einmalige Beobachtung von etwas, das man für ein Higgs-Boson hielt, noch kein endgültiger Beweis sei, sondern dass noch Kontrollmessungen und unabhängige Bestätigungen notwendig seien. Hieran hat sich bis heute nichts geändert. Mehr noch: Die CERN-Wissenschaftler mussten mittlerweile vor der zu untersuchenden Datenmenge kapitulieren. Daher hat man jetzt die weltweite Internet-Gemeinde um Mithilfe gebeten. Anders als bei den Alien-Jägern des SETIProjekts, die seit 1999 nur auf die geballte Rechenleistung der Milliarden privater PCs zugreifen, brauchen die Higgs-Jäger von CERN tatsächlich die bewusste Aufmerksamkeit der Nutzer. Es gilt, in Tausenden von Bildern, die von Zerfallsexperimenten aufgezeichnet wurden, Spuren zu finden, die im Nichts beginnen und damit auf „verdächtige Teilchen“ hinweisen. Sie dokumentieren Teilchen, die selbst nicht sichtbar sind, sondern ihre Existenz erst durch ihre Zerfallsprodukte „outen“. Das gilt für das Higgs-Boson, aber auch für eine ganze Reihe anderer Teilchen, die der „dunklen Materie“ angehören. Immerhin können die Internet-Nutzer durch das Auffinden „verdächtiger Bilder“ die Datenmenge erheblich ausdünnen und damit für die Wissenschaftler zur weiteren Analyse handhabbar machen. Wer mitmachen will, kann sich unter www.higgshunters.org kostenlos registrieren lassen.

Lesetipp: Fosar/Bludorf: Welt am Limit. Peiting 2011

 

Quelle: Matrix3000 Band 86