02/26/2015 07:32

Der doppelte Napoleon

Category: Mystery

In jüngster Zeit ist zwischen Historikern ein neuer Streit um die Umstände des Todes von Napoleon Bonaparte ausgebrochen. Nach wie vor gibt es zahlreiche Unklarheiten. Möglicherweise liegt ein Schlüssel zur Lösung des Rätsels in der Stadtchronik der kleinen Stadt Baleycourt in Frankreich. Dort ist ein gewisser François Eugène Robeaud erwähnt, der in der Stadt 1771 geboren sei. Sein Todesdatum ist verwischt und daher kaum lesbar. Möglicherweise absichtlich? Wie sich herausstellte, starb Robeaud im Mai 1821 – auf der Insel St. Helena! Und er soll dem Kaiser sehr ähnlich gewesen sein. Starb er statt seiner im fernen Exil?

Napoleon hatte insgesamt vier bekannte Doppelgänger. Einer wurde vor der Schlacht von Waterloo vergiftet, einer wurde gelähmt, als er vom Pferd stürzte, der dritte wurde erschossen. Nur der vierte – eben François Eugène Robeaud – überlebte, um dann ausgerechnet dort zu sterben, wohin der Franzosenkaiser auf Lebenszeit verbannt worden war, und noch dazu zur gleichen Zeit. Ein bisschen zu viele Zufälle!

Nach der Verbannung Napoleons bewachten die Franzosen den Ex-Kaiser auf der Insel, während die Briten das umgebende Meer überwachten. 1818 ging Inselkommandant General Gourgard in Pension und kehrte nach Frankreich zurück. Startete er ein Komplott, um Napoleons Flucht zu ermöglichen? Einen Monat später verschwanden in Baleycourt Robeaud und seine Schwester spurlos. Die Schwester tauchte später in der französischen Stadt Tours wieder auf, wo sie in großem Wohlstand lebte. Ein Freund, so ihre Aussage, habe „aus gutem Herzen“ ihre Rechnungen bezahlt. Auf Fragen nach ihrem Bruder sagte sie, er sei zur See gegangen, und sie wisse nicht, wann er zurückkäme. Die Frau von General Gourgard schrieb an eine Freundin: „Es ist gelungen. Napoleon verließ die Insel.“

Kurz darauf eröffnete ein gewisser Monsieur Revard in Verona ein Juweliergeschäft, zusammen mit einem Kompagnon, der ihn mit „kaiserliche Hoheit“ anredete. Auch Revard war Napoleon unglaublich ähnlich. War er es gar selbst? Im Sommer 1823 soll Revard einen Brief erhalten haben, der ihn sehr aufregte. Er müsse sofort abreisen, sagte er seinem Partner. Etwa zur gleichen Zeit war Napoleons Sohn in Österreich an Scharlach erkrankt. Ein Wachposten schoss eines Nachts auf eine Gestalt, die versucht hatte, sich Zutritt zum Schloß zu verschaffen. Der Eindringling fiel tot zu Boden. Als er den Toten von Nahem sah, benachrichtigte er sofort seinen Oberst. Die Leiche des Unbekannten wurde der französischen Botschaft übergeben, und Napoleons Witwe verfügte, die sterblichen Überreste in der Familiengruft beizusetzen.

Revard hingegen wurde in Verona niemals wieder gesehen. Sein Partner erhielt eine hohe Geldsumme als Schweigegeld.

Der Mann dagegen, der 1821 als „Napoleon“ auf St. Helena starb, hatte in den letzten Jahren kaum ein Wort mehr gesprochen, und seine Handschrift war der des Ex-Kaisers nicht ähnlich. Untersuchungen einer Gewebeprobe des Dünndarms Napoleons ergaben in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts übrigens, dass Napoleon nicht, wie offiziell behauptet, an Magenkrebs, sondern vermutlich an einer Schusswunde gestorben ist…

Quelle: Matrix3000 Band 86