04/30/2015 10:38

Der Yolo-Präsident

Category: Politik
By: Franz Bludorf

Ein Präsident hat’s nicht leicht. Seine Politik machen meist andere, aber er muss sie dem Volk verkaufen. Gern würde Barack Obama nach sechs Amtsjahren allen mal die Zunge herausstrecken und danach das aussprechen, was seine Untertanen derzeit gern sagen, wenn mal wieder etwas schief läuft: „Thanks, Obama.“

Hat er das alles längst getan? Zumindest gewinnt man den Eindruck, wenn man im Internet bei BuzzFeed hängen bleibt. Sie wissen nicht, was BuzzFeed ist? Das ist so etwas wie die Bildzeitung der heutigen Jugend. Sie wissen schon, die lesen keine Zeitungen mehr, die klicken, und je mehr Bilder und je weniger Text, desto besser. So etwas nennt man heutzutage „Bildung“.

Barack Obama hatte das Problem, einen seiner wenigen politischen Erfolge – die Gesundheitsreform – auch den jungen Leuten Amerikas nahezubringen. Man produzierte also ein Kurzvideo bei BuzzFeed, das in der Online-Gemeinde Gelächter, in seriösen Nachrichtenredaktionen dagegen Entsetzen auslöste. Ein Präsident macht sich zum Affen.

Das Video zeigt in kurzen Worten (und ständigen Szenenwechseln), wie sich Obama und ein Reporter auf ein Interview vorbereiten, mit parallelen Handlungssträngen – sie üben die Aussprache bestimmter Worte und das Schneiden von Grimassen, und Obama dreht noch ein Selfie, bei dem er „Luft-Basketball“ spielt (also ohne Ball). Als der Reporter ihn dabei überrascht und etwas erstaunt „Mr. President!“ ruft, antwortet Obama lächelnd: „Yolo Man“.

Und das war das Zauberwort. Yolo – eines der vielen Internet-Kürzel – steht für „You only live once“, du lebst nur einmal. Es ist Ausdruck der heutigen Lebens- und Spaßkultur der Jugend, ausgerichtet auf den sofortigen Kick ohne Langzeitwirkung, nach Möglichkeit rücksichtslos, unvernünftig und auf Kosten anderer. Die Welt des S-Bahn-Surfens und des Dschungelcamps, des unbarmherzigen Vorführens anderer zur Volksbelustigung und der „gnadenlosen Gier“, wie es der Sportchef des FC Bayern ausdrückte (obwohl die ja wirklich schon alles gewonnen haben).

Bei Obamas Töchtern Malia (16) und Sasha (13), laut offiziellen Verlautbarungen äußerst bescheiden („nur ein Dollar Taschengeld pro Woche“), dürfte es sich wohl in Wahrheit auch eher um „Yolo Girls“ handeln. Beispiel Malia - zum Geburtstag ein Auto. Eine Liste teurer Elite-Unis, die schon in der Schublade auf sie wartet. Und ständige Hollywood-Eskapaden, bei denen die Produktionsfirmen (inklusive Steven Spielberg) dem Secret Service Geheimhaltungserklärungen unterschreiben müssen. You only live once.

Soll das die Botschaft der Präsidentschaft des einstigen „Messias“ sein? „Baraaaaack!“, möchte man da rufen, im Stil der allbekannten „schrecklich glamourösen Familie“. Nimm was du kriegen kannst, egal, wem du es wegnimmst. Jetzt durften wir dieses zweite Gesicht von ihm kennenlernen. Thanks, Obama.

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