04/30/2015 09:17

Social Bots

Category: Politik

Ist Dein Freund ein Roboter?

Dass die Segnungen des Zeitalters der sozialen Netzwerke es mit sich bringen, dass Menschen Tausende von „Freunden“ haben, die sie nie im Leben gesehen haben, hat sich bereits allgemein herumgesprochen. Manche finden das wunderbar. Trotz der möglichen Konsequenzen. Hinter der sexy Blondine, mit der man so nett über Facebook geflirtet hat, verbirgt sich möglicherweise ein fettschwabbelnder Proll aus Wanne-Eickel mit Schlabberhose, Baseballkappe, durchgeschwitztem Sweatshirt und Bierpulle.

Dass es darüber hinaus aber nicht einmal mehr gewährleistet ist, dass die Person, mit der man redet, überhaupt ein Mensch ist, gibt der ganzen Sache eine noch ganz andere neue Dimension. Ein Bot ist ein kleines Computerprogramm, das ins Netz entlassen wird, um bestimmte Aufgaben zu erledigen. Zum Beispiel, um Daten über neue oder geänderte Websites für Googles Suchmaschinen zu suchen. Doch der neueste Dreh – Social Bots – ist eine Spezialform von Roboterprogrammen zur Infiltration sozialer Netzwerke. Ziel ist Desinformation sowie Verleumdung missliebiger Bürger. Insbesondere Geheimdienste wie die CIA oder das britische GCHQ bedienen sich solch übler Methoden. Ursprünglich erdacht wurde das Konzept von der Forschungsabteilung des Pentagon, der DARPA, genauer gesagt ihrer Unterabteilung Information Processing Technology Office (IPTO), die schon Anfang des Jahrtausends Pläne für „selbstorganisierende Software- Agenten“ entwickelte. (siehe hierzu auch das Buch "Fehler in der Matrix")

Wie einfach es ist, einen völlig harmlosen Menschen durch erlogene Schmutzkampagnen bei Facebook oder Twitter fertigzumachen, das mussten schon viele am eigenen Leib erfahren. Oft ist es der „Neid des Nachbarn“, bei anderen mögen mächtigere Kreise dahinterstecken. Doch nicht immer ist es möglich, den Schuldigen dingfest zu machen und zur Verantwortung zu ziehen. Thematisiert wurde dies in einer Folge der US-Gerichtsserie „The Good Wife“. Dort wurde ein College-Professor pakistanischer Abstammung durch eine üble Lügenkampagne in einem sozialen Netzwerk mit seinen Fotos als Terrorist und Mörder diffamiert. Die Polizei wurde regelrecht angestachelt, endlich gegen den Mann vorzugehen. So lange, bis er seine Stellung verlor. Vor Gericht stellte sich heraus, dass das ursprüngliche Posting, das die Verleumdungslawine losgetreten hatte, von einem „Social Bot“ verfasst worden war.

Im Kleinen funktioniert das so, dass ein Mensch, der sein Selbstbewusstsein etwas aufmotzen will, für 20 Dollar 1200 „Gefällt mir“- Klicks auf seiner Facebook-Seite kaufen kann, mit echt aussehenden Usern selbstverständlich. Gegen Aufpreis schreiben einige davon auch noch einen positiven Kommentar.

Wie ist es eigentlich möglich, dass Computerprogramme sinnvoll aussehende Texte schreiben, und wie kann man sie von realen Menschen im Internet unterscheiden?

Die erste Frage ist schnell beantwortet. Social Bots infiltrieren die sozialen Netzwerke, lesen die Postings realer Nutzer und basteln aus Versatzstücken ihren eigenen „Senf“ zusammen. Dazu nutzen sie natürliche Sprachalgorithmen, sie können Keywords erkennen und folgen bevorzugt Leuten mit Einfluss, die also schon viele „Freunde“ haben.

Die zweite Frage ist schon schwieriger zu beantworten, und sie beschäftigt die Wissenschaft seit über 60 Jahren, als der Computerpionier Alan Turing einen Test vorgeschlagen hatte, um zu prüfen, ob man mit einem Menschen oder einer Maschine redet. Turing selbst konnte das mangels existierender geeigneter Hardware seinerzeit noch nicht testen, und mittlerweile herrscht in der Wissenschaft einhellig die Meinung, dass der Turing-Test ungeeignet ist.

Und doch ist es möglich, Social Bots zu entlarven. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat mehrere Methoden vorgeschlagen. Maskottchen des Instituts ist bekanntlich der Biber, und so wie diese fleißigen Tierchen sind die MIT-Forscher es gewohnt, sich zum Kern der Probleme durchzufressen. Die einfachste Möglichkeit ist es, sogenannte „honeypots“ als Köder bei Twitter einzustellen, das sind fingierte Meldungen, die so absurd sind, dass kein realer Mensch auf sie reagieren würde. Jeder Follower eines honeypot ist also vermutlich ein Social Bot. Auf diese Weise konnte man sage und schreibe 36.000 solcher Software-Agenten entlarven.

Mittlerweile sind auch die schlauer geworden. Dennoch ergaben statistische Untersuchungen von Tausenden Social Bots, dass es signifikante Unterschiede zwischen ihrem und dem Verhalten realer Menschen gibt. Social Bots retweeten öfter, haben längere Usernamen und erhalten nicht so oft Antworten wie Menschen. Es gibt noch weitere Kriterien, aus denen die Software „Bot or Not“ eine Art Fingerabdruck gewinnen kann. Schwierig bis unmöglich wird es allerdings, wenn es einem Social Bot gelingt, den Account eines Menschen zu hacken.

Quelle: Matrix3000 Band 87