04/30/2015 13:17

Der untote Lama

Category: Mystery

Im Januar 2015 konnte die mongolische Polizei auf einem Schwarzmarkt in der Provinz Songinokhairkhan die bemerkenswert gut erhaltene Mumie eines buddhistischen Mönchs sicherstellen, die dort zum Verkauf angeboten wurde. Nach Aussage eines mongolischen Offiziellen hatte ein Mann in der Region Kobdsk die Mumie in einer Höhle gefunden und dann in seinem Haus in Ulan-Bator versteckt. Er hatte vor, sie zu einem sehr hohen Preis zu verkaufen. Nach Medienberichten wollte er sie über die Grenze schmuggeln.

Der Mann wurde verhaftet und die sterblichen Überreste beschlagnahmt. Nach den Strafgesetzen der Mongolei ist der Schmuggel und Handel mit Gegenständen des kulturellen Erbes strafbar und wird mit bis zu umgerechnet 43.000 Dollar Geldstrafe bzw. bis zu 12 Jahren Haft bestraft.

Die Mumie war in eine Rindshaut eingehüllt und mit einem orangefarbenen buddhistischen Mönchsgewand bekleidet. Sie befand sich in Meditationsstellung im sogenannten Lotossitz. Der Körper ist bemerkenswert gut erhalten, selbst für eine Mumie, fast lebensecht, und ist forensischen Untersuchungen zufolge etwa 200 Jahre alt. Es gibt allerdings einen Experten, der die Welt in diesem Zusammenhang mit einer fast unglaublichen Hypothese überraschte:

Dr. Barry Kerzin, buddhistischer Mönch und einer der Leibärzte des Dalai Lama, behauptet, dieser Mönch sei möglicherweise überhaupt nicht tot, sondern nur in einem außergewöhnlich tiefen Meditationszustand, den die Tibeter als „Tukdam“ bezeichnen. Diesen Zustand beschreibt Sogyat Rinpoche im Tibetanischen Totenbuch als einen, in dem der Meditierende in der Erleuchtung erwacht, was normalerweise mit dem Austritt der Seele und dem Eintritt des körperlichen Todes einhergehen kann, aber nicht muss. Im Grunde geht es darum, in diesem Moment zwischen Leben und Tod zu verharren, möglicherweise über lange Zeiträume. Dem Totenbuch zufolge zeigt der Körper dann keine Totenstarre, die Augen behalten ein lebendiges Leuchten, und es bleibt auch ein Rest von Körperwärme erhalten. Es soll in Tibet zahlreiche solche Meditationsmeister gegeben haben, und wer einem von ihnen begegnete, der wusste, dass er ihn unbedingt in Ruhe lassen musste, bis der Meditierende von selbst aus seinem Zustand erwachte.

Dr. Kerzin betont, dass es sich hierbei keinesfalls um mythologische Überlieferungen handelt. Es soll in den letzten 50 Jahren tatsächlich rund 40 Fälle in Indien gegeben haben, in denen sich tibetanische Mönche in einem derartigen Zustand befanden. Er selbst habe das Privileg besessen, mehrere Meditierende medizinisch überwacht zu haben, während sie im Tukdam-Zustand verweilten. Er bestätigt die Schilderungen des Totenbuchs, wonach die Körperfunktionen bis auf das genannte Minimum heruntergefahren werden. „Wenn die Person in der Lage ist, in diesem Zustand für mehr als drei Wochen zu verharren – was selten geschieht – fängt ihr Körper an, graduell zu schrumpfen.“, fügt Dr. Kerzin hinzu. Sollte dies aber auch für Jahrhunderte möglich sein?

Es gab bereits zahlreiche Berichte über äußerst langlebige oder gar „unsterbliche“ Meditationsmeister in Zentralasien, doch nie zuvor wurde tatsächlich ein solcher Körper entdeckt, so dass ihn die Wissenschaft beobachten und untersuchen konnte. Es wird vermutet, bei dem mumifizierten „untoten“ Mönch könnte es sich um einen Lehrer des Lamas Dashi- Dorzho Itigilov handeln. Jener Dashi-Dorzho Itigilov wurde 1852 geboren und soll später mit seinem Körper in einen solchen „lebensähnlichen Zustand“ übergegangen sein. Nach Aussage von Ganhugiyn Purevbata, Professor am Mongolischen Institut für Buddhistische Kunst an der Universität Ulan-Bator, sprechen Einzelheiten in der Haltung des Lamas dafür, dass er in dieser Position tatsächlich nicht gestorben, sondern in den genannten Schwebezustand übergegangen ist. „Der Lama sitzt in der Lotos-Position Vajra, die linke Hand ist geöffnet, und die rechte Hand symbolisiert das Beten eines Sutras. Dies ist ein Zeichen, dass der Lama nicht tot ist, sondern in einer sehr tiefen Meditation, gemäß der alten Tradition der Buddhistischen Lamas.“ Derzeit befindet sich der Mönch für weitere Untersuchungen in sicherem Gewahrsam im Nationalen Zentrum für forensische Expertisen in Ulan-Bator.

Quelle: Matrix3000 Band 87