06/25/2015 10:09

Kernkraftwerke für die „Nationale Sicherheit“

Category: Politik

Geplante Kernkraftwerksstandorte in der Türkei

Die Türkei baut seit Kurzem an der türkischen Mittelmeerküste bei Akkuyu ihr erstes Kernkraftwerk – in einer stark erdbebengefährdeten Zone. Ein zweites – in einer noch gefährlicheren Region – soll anschließend an der Schwarzmeerküste errichtet werden. Gegen diese Pläne klagten türkische Atomkraftgegner. Ein türkisches Gericht forderte daraufhin ein Gutachten der internationalen Atomenergiebehörde IAEA an, um die Risiken des Projekts einschätzen zu können. Die IAEA sah sich jedoch außerstande, dieses Gutachten zu erstellen. Grund: Die Regierung in Ankara weigerte sich, die Unterlagen herauszurücken. Dies verbiete die „Nationale Sicherheit“, so die Aussage. Diese mantraartige Wiederholung einer Floskel, um Informationen vor der Öffentlichkeit geheim halten zu können, kennt man bislang hauptsächlich aus den USA. Vielleicht hofft Ankara, auf diese Weise nach bewährtem Muster lästige Fragen loszuwerden. Ziemlich beunruhigend, denn das würde bedeuten, man ist sich des Erdbebenrisikos bewusst und käme – vier Jahre nach Fukushima – vor der internationalen Atomenergiebehörde in Erklärungsnot. Nimmt man die Aussage der türkischen Regierung jedoch wörtlich, so sind die Konsequenzen noch beunruhigender. Ein Kernkraftwerk, das der „Nationalen Sicherheit“ dient – das kann nur bedeuten, dass dort waffenfähige Kernbrennstoffe hergestellt werden sollen. So, wie man es jahrelang dem „bösen“ Iran vorgeworfen hat. Die Türken sind NATO-Partner und also die „guten Jungs“. Bei denen darf man an so etwas offenbar nicht denken…

Quelle: Matrix3000 Band 88

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