06/25/2015 10:23

Politico – der „neue Journalismus“

Category: Politik

In Brüssel ist die europäische Edition des amerikanischen News-Service Politico gestartet. Dieser neue Informationsservice soll künftig eine entscheidende Rolle bei den EU-Debatten spielen. Die Medien werden ab sofort über EU-Politik hauptsächlich von Politico-Diensten versorgt. Es ist ein netter (aber gelungener) Versuch der USA, den Europäern die EU und ihre Politik im US-Sinne zu erklären. In der europäischen Zentrale arbeiten 100 Spezialisten, die ursprünglich korrekte Informationen für die Medien fachlich aufbereiten, für den Hauptinformationsservice im Internet, für den zahlungspflichtigen thematischen Informationsservice Politico Pro sowie für eine Wochenzeitung.

Brüssel ist heute für die USA der zweitwichtigste politische Punkt auf der Weltkarte und muss entsprechend auf richtigem Kurs gehalten werden. Die Themen, die in der EU-Zentrale diskutiert werden, und die Entscheidungen, die man in Brüssel fällt, werden ab jetzt für die Medien in Europa so aufbereitet, wie sie alle verstehen sollen.

Für freien Journalismus gab es bislang zu viel Platz. Eine neue Art des Journalismus entsteht – ab jetzt bestimmt Politico, was wichtig ist. Ein erstes Beispiel: Man hielt es für notwendig, die Nierenbeschwerden von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in das Zentrum des Interesses zu rücken. Folge: Nach der Publikation bei Politico stürzten sich alle Medien auf diese Nachricht – nicht nur die Boulevardpresse, auch die sogenannten Seriösen! So wird in der Zukunft dafür gesorgt werden, dass wir alle ganz genau erfahren, was in der EU von Bedeutung ist und warum es auch für uns alle wichtig sein soll. Geplant ist, Politico auf der ganzen Welt zu einem Basis-Informationsservice weiterzuentwickeln. Entsprechend geschulte Journalisten sollen in der Zukunft in Politico-Filialen auf allen Kontinenten arbeiten.

Quelle: Matrix3000 Band 88

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