06/26/2015 07:07

Leben aus der Distanz

Category: Gesundheit

Woman at mirror, ca. 1930

Sie befinden sich oft jahrelang in einem veränderten Bewusstseinszustand und empfinden Personen und Objekte ihrer Umwelt, meist sogar sich selbst, ihre eigene Person, ihren Körper, ihre Erinnerungen usw. als fremd, verändert, nicht zu sich gehörig. Das Leben scheint wie ein Film vor ihren Augen abzulaufen, und sie stehen als unbeteiligte Beobachter außerhalb dieses Films. Diese Menschen leiden an einer seltenen psychischen Störung, die als Depersonilations- oder Derealisationssyndrom bekannt ist. Obwohl die Medizin diese Störung bereits seit Jahrzehnten kennt, wird sie nur äußerst selten diagnostiziert, weshalb die Betroffenen oft jahrelang ohne fachliche Hilfe bleiben. Der Grund ist, dass die Erkrankten zu Beginn oft glauben, an einer körperlichen Krankheit zu leiden, und daher zunächst ihren Hausarzt aufsuchen, der mit der korrekten Diagnostik meist überfordert ist. Andere fürchten überhaupt, über ihre Symptome zu sprechen, um nicht für „verrückt“ erklärt zu werden. Eine Angst, die leider nicht ganz unberechtigt ist.

Am meisten fürchten die Betroffenen die Fachärzte der Psychiatrie, die ihnen ständig Fehldiagnosen stellen, bis hin zur Schizophrenie, was mit ihren wahren Symptomen überhaupt nichts zu tun hat. Als Resultat vereinsamen solche Menschen zunehmend und schränken ihren Lebensablauf zunehmend ein.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin in Stuttgart mitteilte, ist es in solchen Fällen dringend erforderlich, dass der behandelnde Arzt oder Therapeut den Patienten und seine Beschwerden ernst nimmt. Für die Behandlung kommt nur stützende Psychotherapie in Frage, da es zugelassene Medikamente für derartige Fälle nicht gibt. Entscheidend ist es, dass der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten nach den auslösenden Ursachen der Erkrankung forscht.

Quelle: Matrix3000 Band 88

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