06/26/2015 07:15

Ernährung 2030

Category: Gesundheit

Designer-Food mit Ekelfaktor

„Menschen der Zukunft werden sich zunehmend weltanschaulich geprägt und immer emanzipierter, anspruchsvoller und differenzierter ernähren.“ Mit diesen wohlklingenden und hochtrabenden Worten kommentiert der Nestlé-Konzern das Ergebnis einer Studie seines Zukunftsforums, wie wir uns im Jahre 2030 ernähren werden. Wenn man dann die Einzelheiten betrachtet, so gewinnt man allerdings einen völlig anderen Eindruck. Es soll offenbar eher salonfähig gemacht (und womöglich als „schick“ erklärt) werden, dass unsere Nahrungsmittel immer weniger natürlich und immer stärker an industrielle Produktionsanforderungen angepasst sein werden. Also gerade das, was man eigentlich nicht unter „bewusster Ernährung“ versteht.

Fake-Fleisch und hochkonzentrierte Protein-Designerprodukte sind in unserer Zeit ja auch nicht mehr ganz unbekannt, wenn man an den Formschinken aus Fleischerei- Abfallschnipseln und den berüchtigten „Analog-Käse“ denkt. Matrix3000 berichtete im Sonderheft Gesundheit 2013 („Schweineborsten im Orangensaft“, auch im Internet unter www.matrix3000.de abrufbar).

In der nahen Zukunft wird’s eher noch ekliger. Die Designer-Proteinnahrung der Zukunft wird aus Algen oder aus Insekten (Heuschrecken, Larven, Mehlwürmer) gewonnen, so die Nestlé-Zukunftsforscher, die dies als „ressourcenschonend“ bezeichnen. In ca. 15 Jahren, so die Forscher weiter, würde der „Ernährungsstatus“ des Menschen zunehmend durch Sensoren pausenlos gemessen, wobei ihm dann online mitgeteilt wird, was und wie viel er wann essen sollte. „Dabei könnten Genuss-Aspekte in den Hintergrund treten“.

Mittelfristig werden auch die bereits in Industrie und Forschung verbreiteten 3D-Drucker unsere Haushalte erobern. Sie spritzen nicht mehr Bildchen mit Hilfe von Tinte auf Papier, sondern können aus unterschiedlichen flüssigen oder halbflüssigen Werkstoffen schichtweise dreidimensionale Objekte naturgetreu und farbecht nach computergesteuerten Vorlagen aufbauen. Möglicherweise ersetzt der 3D-Drucker dann sogar eines Tages den Herd, indem er aus allerlei Breien die Lieblingspizza des Benutzers zusammenmixt und aufbaut? Die muss man dann nur noch rehydrieren und in der Mikrowelle aufwärmen, und schon hat man etwas, was vielleicht noch an Pizza-Geschmack erinnert, ohne wirklich eine Pizza zu sein. Auf jeden Fall füllt es den Magen mit standardisierten Nährstoffmengen und stellt so den „Ernährungs-Sensor“ zufrieden. Mit Fleisch aus dem 3D-Drucker experimentiert man durchaus schon, wobei die Grundsubstanz aus Algen oder gemahlenen Insekten zusammengepresst oder im Reagenzglas durch passende Mikroorganismen gezüchtet wird. Der Computer macht’s möglich, dass es hinterher dennoch wie ein Kotelett aussieht. Dass es so etwas noch nicht an der Wursttheke zu kaufen gibt, scheitert im Moment hauptsächlich daran, dass die Verfahren „noch zu teuer“ sind.

Quelle: Matrix3000 Band 88

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