08/27/2015 09:44

Friedhof der Vampire

Category: History

Bei Straßenbauarbeiten mitten im Zentrum der oberschlesischen Stadt Gliwice (Gleiwitz) machten Bauarbeiter einen grausigen Fund. Sie stießen auf Skelettreste einer kopflosen Leiche. Genauer gesagt – der Schädel des Toten war abgetrennt und zwischen den Beinen abgelegt worden, zusätzlich mit einem Stein beschwert. Archäologen und Historiker wissen, dass in früheren Zeiten auf diese Weise Menschen bestattet wurden, die man für „Vampire“ hielt. Der Stein sollte dafür sorgen, dass sie nicht als „untote Wiedergänger“ zu den Menschen zurückkehren würden.

Die Schlagzeile vom „Vampirfriedhof in Polen“ machte in der internationalen Presse die Runde. Hinzugezogene Archäologen und Anthropologen äußerten sich zunächst zurückhaltender, mussten aber nach eingehenderer Untersuchung des Fundortes diese erste Deutung der Presse bestätigen. In der Tat handelte es sich um einen „verfluchten Friedhof“.

Man fand insgesamt Überreste von 46 Menschen, darunter auch sechs Frauen und zehn Kinder, das jüngste etwa sechs Jahre alt. 17 der Toten wurden auf die gleiche Art wie beim ersten Fund bestattet, also mit abgetrenntem und mit einem Stein beschwertem Schädel.

Ein weiteres Indiz für die Vampirismus- Hypothese: Die Untersuchung der Skelette ergab, dass die Köpfe post mortem abgeschlagen wurden – eine Vorgehensweise, die bei einem „normalen“ Verstorbenen undenkbar gewesen wäre, da es sich um eine Störung der Totenruhe gehandelt hätte.

Die Gräber wurden etwa auf das 15. oder 16. Jahrhundert datiert. Genauere Altersbestimmungen waren nicht möglich, da keinerlei Überreste von Bekleidung entdeckt wurden, nicht einmal Knöpfe oder andere Accessoires, die normalerweise nicht verwesen. Die Toten mussten also offenbar nackt begraben worden sein.

Warum hatte man rund 30 weitere Leichen zusammen mit den „Vampiren“, also in ungesegneter Erde auf einem „verfluchten Friedhof“ bestattet? In der Regel tat man dies mit verurteilten Straftätern, aber auch mit Personen, die aus anderen Gründen aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurden, etwa Homosexuelle, Selbstmörder oder ungetaufte Kinder, die z. B. tot geboren wurden.

Die Untersuchung der Skelette ergab, dass die Toten zu Lebzeiten an unterschiedlichen degenerativen und Mangelkrankheiten gelitten hatten, darunter an Karies, Parodontose, Zahnschmelzhypoplasie, Anämie und Bandscheibenvorfällen. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass es sich überwiegend um Menschen gehandelt haben muss, die am Rande der Gesellschaft und unterhalb der Armutsgrenze gelebt hatten. Angehörigen gesellschaftlicher Randgruppen wurden aber in Zeiten besonders häufig auch Hexerei oder Vampirismus angedichtet.

Quelle: Matrix3000 Band 89

 

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