12/16/2015 12:39

Wie Horst Seehofers Saat aufgeht

Category: Politik

Aus Angst um eigene Wählerstimmen schürt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) seit Monaten mit populistischen Ausfällen das „gesunde Volksempfinden“. Mag Bayern durch die Flüchtlinge stärker belastet sein als andere Bundesländer, mag sein, dass die EU-Nachbarn Deutschlands sich in der Flüchtlingskrise nicht unbedingt fair und solidarisch verhalten - es ist dennoch eine gefährliche Saat, die der CSU-Chef da ausgesät hat und die in seiner eigenen Partei längst aufgegangen ist.

Höhepunkt war ein Textbeitrag des Schatzmeisters der CSU Moosburg, Gerhard-Michael Welter, den der in einem sozialen Netzwerk gepostet hatte: „Ich bin ein Nazi, und das sehr gerne, und zwar so: Nicht An Zuwanderung Interessiert.“ Und das Ganze auch noch zeitnah zu den Pariser Terroranschlägen.

Mit Ausnahme von Welter selbst fand dieses Wortspiel mit den Anfangsbuchstaben wohl niemand lustig, und so wurde er relativ schnell von seiner eigenen Partei geschasst.

Geraume Zeit unwidersprochen blieben dagegen Hasstiraden der CSU-Ortsvorsitzenden von Zorneding bei München, Sylvia Boher, die in einer lokalen Gazette gegen Flüchtlinge hetzte, denen „alles in den Rachen geworfen“ werde, im Gegensatz zu den Armen Deutschlands (dass es die überhaupt gibt, dafür können Syrer mit Sicherheit nichts). Ihr Stellvertreter Johann Haindl setzte noch einen drauf, indem er den aus dem Kongo stammenden Ortspfarrer von Zorneding als „Neger“ bezeichnete, der „aufpassen“ solle, dass „ihm der Altpfarrer nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt.“ Inzwischen haben allerdings auch Boher und Haindl ihre Ämter zur Verfügung stellen müssen, ohne dass die CSU nun dadurch populistische „Nachwuchsprobleme“ hätte.

Derlei Umtriebe waren selbst der traditionell CSU-freundlichen katholischen Kirche zu viel. In einem Brandbrief erinnerten 45 bayerische Kirchenvertreter Horst Seehofer daran, dass das „C“ im Namen seiner Partei ursprünglich für „christlich“ stand. Und nicht für „rassistisch“ oder „populistisch“, möchte man hinzufügen.

Quelle: Matrix3000 Band 91

 

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