12/16/2015 12:44

Ärzte ohne Grenzen: Bombardierung kein „Versehen“!

Category: Politik

Der Bombenangriff der US Army auf das Krankenhaus von „Ärzte ohne Grenzen“ im afghanischen Kundus in der Nacht des 3. Oktober 2015, bei dem 30 Menschen getötet und 37 verletzt wurden, wurde von der US-Armeeführung seinerzeit als „bedauerliches Versehen“ oder auch etwas weniger human als „Kollateralschaden“ abgetan.

Eine interne Untersuchung der Ärzteorganisation kam nunmehr zu einem völlig anderen Ergebnis. Ziel des Angriffs, so der Bericht, „war eindeutig das Töten und Zerstören“. Während des verhängnisvollen Bombenangriffs hatten sogar Operationen stattgefunden. Die Operationssäle wurden durch die Bombardierung komplett verwüstet.

Der Untersuchungsbericht wertet u. a. ca. 60 Zeugenaussagen aus. Er schildert damit die Ereignisse aus Sicht der Betroffenen. „Ärzte ohne Grenzen“ hatte den Amerikanern die genauen Geokoordinaten des Krankenhauses rechtzeitig übermittelt. Der Empfang dieser Informationen war vom Pentagon und von der US-Armee als auch von den Vereinten Nationen bestätigt worden.

Als Hauptproblem erwies sich, dass nicht alle US-Angriffe „auf Sicht“ geflogen wurden. Statt dessen wurde das Krankenhaus auch vom Kanonenboot AC-130U aus mit Marschflugkörpern beschossen. Diese Angriffe richteten sich insbesondere gegen einzelne fliehende Menschen. Augenzeugen berichteten, wie Mitarbeiter aus dem Krankenhaus zu fliehen versuchten, jedoch von den automatisierten Infrarot-Zielsuchsystemen der Geschosse regelrecht verfolgt wurden. Sie hatten keine Chance.

Selbst als „Ärzte ohne Grenzen“ einige Minuten nach Beginn des Angriffs die UNO und das Pentagon über den verhängnisvollen Fehler informierten, wurden die Attacken noch rund 30 Minuten fortgesetzt, da offenbar niemand in der Lage war, die Automatismen zu stoppen.

Widersprüchlichen Kommentaren aus den USA zufolge erfolgte das Bombardement tatsächlich gezielt, da man Taliban-Kämpfer im Krankenhaus vermutete. „Ärzte ohne Grenzen“ bestreitet das. Aber selbst wenn – die Genfer Konvention verbietet ausdrücklich militärische Angriffe auf Lazarette und Kriegsverwundete, selbst wenn es sich dabei um Taliban handeln sollte.

Die USA beharren auf dem Standpunkt, Taliban seien „feindliche Kombattanten“, für die die Genfer Konvention nicht gelte.

Der Bericht schließt mit dem Fazit, das Hauptgebäude sei mit derart „chirurgischer“ Genauigkeit eingeebnet worden, dass kein Zweifel mehr daran besteht, dass das Krankenhaus Ziel des Angriffs gewesen ist. Als Stunden später afghanische Special Forces und Krankenwagen den Ort des Geschehens erreichten, fand man in den Trümmern weder Waffen noch getötete oder verletzte Taliban. Die Ärzteorganisation fordert nun, den Fall vor ein internationales Tribunal zu bringen.

Quelle: Matrix3000 Band 91

Matrix3000 Band 91als E-Paper-Download