12/17/2015 10:29

Remake der Heimat

Category: Kultur
By: Roland Rottenfußer

Es ist schon traurig, dass „Patriotismus“, dieser Ladenhüter der Geschichte, uns heute wieder beschäftigen muss. Eine Ausländerfeindlichkeit (fast) ohne Ausländer kann in Dresden und anderswo wieder Massen mobilisieren, Massen, die sich durch TTIP, Überwachungsstaat und Kriegshetze nicht hinter dem Ofen hervorlocken lassen. Und bei so viel falsch verstandener Liebe zum „Abendland“ versinkt auch die Sonne der Vernunft schnell hinter dem Horizont. Allerdings gibt es auch ein Heimatgefühl, das nicht verwerflich ist: ein liebevolles und aufgeklärtes Festhalten an Dingen, Orten und Menschen, denen wir – gewollt oder ungewollt – „zugehören“.

Keine Frage: Heimat gehört zu den Megatrends der letzten Jahre. Heimatkrimis boomen und ersetzen die sterilen Großstadt-Verbrecherjagden durch schöne Aufnahmen von Wald, Feld und Fachwerkhaus. Spreewaldkrimi, Bodenseekrimi, Taunuskrimi. In den oft ratlosen Ratgeberverlagen und auf dem Zeitschriftenmarkt ist das einer der wenigen Trends, der überhaupt zu erkennen ist. Heimatliche und traditionelle Themen wie „Raunächte“ und „Räuchern mit heimischen Kräutern“ erzielen hohe Auflagen. Und schon weil den Bürgern an allen Ecken und Enden das Geld fehlt, haben Sächsische Schweiz oder Ostsee als Urlaubsziele häufig den Kanaren oder Seychellen den Rang abgelaufen. Ich gestehe, obwohl schon aus politischen Gründen eher „Internationalist“, dem Trend teilweise erlegen zu sein. Die Naturfilmserien „Wildes Deutschland“ sowie „Wilde Heimat“ habe ich mit großem Vergnügen gesehen. Herrliche Naturaufnahmen von Wildschweinen, Bienenfressern und Murmeltieren nebst alten Burgen, Wasserfällen, Volkstänzen und – nun ja – Fachwerkhäusern.

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