02/25/2016 12:33

„Wär‘ ich nicht arm, wärst du nicht reich!“

Category: Politik

Dieses Zitat aus einem Gedicht von Bertolt Brecht ist heute aktueller denn je. Der neueste Oxfam-Report schlägt Alarm: Die 62 reichsten Menschen der Welt besitzen mehr als die halbe Menschheit. Und nicht nur das: In den letzten fünf Jahren sind die Vermögen der Reichsten um satte 44% gewachsen, während der Besitz der ärmeren Hälfte der Menschen um fast den gleichen Prozentsatz gesunken ist.

In seltener Einmütigkeit schreien jetzt alle „Skandal“. Dabei ist diese beispiellose Umverteilung von unten nach oben alles andere als schicksalhaft, sondern Ausdruck einer weltweit in die gleiche Richtung weisenden Politik, die gezielt Reiche bevorzugt und gleichzeitig den Armen immer mehr Lasten abverlangt.

Nach US-Präsident Roosevelts „New Deal“ in den dreißiger und vierziger Jahren lag der Spitzensteuersatz in den USA bei 94%, nach dem Krieg immer noch bei 70%. Ronald Reagan senkte ihn auf 50%, heute liegt er bei 39,6%. Und selbst das steht nur auf dem Papier. Reiche beschäftigen Armeen von Anwälten und Investmentberatern, um ihre Steuerlast im Idealfall mit Hilfe von Tricks auf Null zu drücken. Gewaltige Vermögen werden in Steuerparadiese umgelagert. Gleichzeitig fehlt den Staaten für soziale Maßnahmen das Geld. Das eine Prozent der reichsten Amerikaner verfügt über die Hälfte des Volksvermögens, während sich die übrigen 99% die andere Hälfte teilen müssen. Von Roosevelts „New Deal“ ist nichts mehr übriggeblieben.

In Europa steht Deutschland in der Spitzengruppe der Begünstigung der Reichsten. Das heißt, auch hier kommt der nach außen hin sichtbare wirtschaftliche Erfolg des Landes nicht der Bevölkerung zugute.

Quelle: Matrix3000 Band 92

 

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