02/25/2016 12:41

USA annektieren den Weltraum

Category: Politik

1969. Astronaut Charles Conrad (Apollo 12) hisst die US-Fahne auf dem Mond - damals offiziell noch „für die gesamte Menschheit“. Foto: NASA

Als Wladimir Putin 2014 die Krim annektierte, führte dies weltweit zu einem Aufschrei der Entrüstung, zu einer internationalen Krise und zu scharfen Sanktionen gegen Russland. 2015 haben die USA - ohne Säbelrasseln und Marschmusik, dafür um so gründlicher - de facto den ganzen Weltraum für sich annektiert, und wo bleiben die internationalen Proteste?

Übrigens - auch unsere Erde gehört zum Weltraum!

Aber von Anfang an: Seit 1967 besteht der Weltraumvertrag der Vereinten Nationen, wonach die Erforschung und Nutzung des Weltraums nur im Interesse der gesamten Menschheit erfolgen dürfe. Insbesondere dürfe kein Land Besitzansprüche anmelden. 1969, also nach dem Hissen der US-Flagge im „Mare Tranquillitatis“, wurde dies vorsichtshalber auch noch einmal explizit auf den Mond ausgeweitet.

So weit, so gut, daran halten sich offiziell alle, auch die Amerikaner. Dennoch haben Senat und Repräsentantenhaus in Washington 2015 im Eilverfahren einen Gesetzentwurf durchgewinkt, wonach sich die USA faktisch zum Verwalter des Weltraums erklären. Ungeachtet aller sonstigen Streitigkeiten zwischen Kongress und Weißem Haus unterzeichnete Präsident Obama das Gesetz am 25. 11. 2015 anstandslos.

Damit erteilen die USA sich selbst das Recht, z. B. Lizenzen und Schürfrechte zur Ausbeutung des Sonnensystems zu erteilen. Private Kolonien auf dem Mars oder Rohstoffminen im Asteroidengürtel - kein Problem. Wer das machen will, muss nur bei drei Behörden um Genehmigung ersuchen: beim US-Verkehrsministerium (na klar, Ordnung muss sein), beim US-Verteidigungsministerium (die „nationale Sicherheit“ geht natürlich vor) und bei der NASA. Sonst wird niemand um Zustimmung gefragt oder könnte gar Protest einlegen. Einzig diese drei US-Behörden dürfen zukünftig entscheiden, wer zu welchem Zweck wohin fliegen darf und was er von dort zur Erde mitbringen kann.

Kurz gesagt: Die USA erklären sich nicht gleich selbst zum Besitzer des Weltraums, aber zu dessen Verwalter, d. h. sie dürfen entscheiden, wer sich sonst zum Besitzer erklären darf. Wie kann man etwas verwalten, was einem nicht gehört? Und wo bleibt das internationale Protestgeschrei? Für die meisten von uns ist alles, was mit Weltraum zu tun hat, Science Fiction, Spinnerkram, Utopie, da gibt‘s doch Wichtigeres bei uns auf der Erde. Man verkennt dabei, dass die Menschheit die Technologie längst hat, um Rohstoffe auf dem Mond oder auf Nachbarplaneten auszubeuten und diese dabei ganz nebenbei auch noch hemmungslos zu verschmutzen. Es geht nur noch um die Wirtschaftlichkeit solcher Unternehmungen. Das Ganze muss billiger werden.

Den Weltraumvertrag hat die UNO seinerzeit nicht ohne Grund beschlossen. Es ging darum, das Schicksal Amerikas im 15. Jahrhundert sich nicht wiederholen zu lassen, Krieg und Landnahme im Weltraum von vornherein auszuschließen. Alle stimmten damals zu, vermutlich weil keiner glaubte, dass das zu seinen Lebzeiten aktuell werden würde. Die amerikanischen Gelüste auf die Kontrolle des Weltraums sind nicht neu. Bereits 2006 hatte der damalige Präsident George W. Bush seine Finger ins All ausgestreckt (siehe auch Matrix3000 Band 37). Dem ging es hauptsächlich ums Militär und die nationale Sicherheit. Sein Gesetz erlaubte den USA, Militäraktionen nach Belieben im Weltall durchzuführen und das gleiche Recht anderen Nationen, wenn gewünscht, zu versagen. Auch damals protestierte niemand. Heute nun geht es, sinngemäß, nicht mehr darum, die Navy Seals auf dem Mars herumballern zu lassen, sondern auf dem Mond das erste McDonalds zu eröffnen.

Quelle: Matrix3000 Band 92

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