02/25/2016 10:27

„Ich bin ein Pfannkuchen“

Category: History

Um nochmals auf das berühmte Berlin-Zitat Kennedys zurückzukommen - dieses ist seit etwa den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA Gegenstand von zahlreichen Witzen. Kennedy habe - so heißt es dort - die deutsche Grammatik falsch verwendet, richtig hätte er sagen müssen: „Ich bin Berliner!“, also ohne das „ein“. In der von ihm gewählten Formulierung hätte er statt dessen gesagt, dass er ein Pfannkuchen sei. Hunderttausende von Berlinern, die auf dem Platz vor dem Rathaus Schöneberg dem Präsidenten zuhörten, seien bei diesem Satz Kennedys in lautstarkes Gelächter ausgebrochen. Dementsprechend zitieren Amerikaner ihren früheren Präsidenten zumeist mit dem Satz: „I am a jelly donut.“

So lustig es klingt - es ist nur eine Legende, die mit der Wahrheit nichts zu tun hat: Jeder, der den Besuch John F. Kennedys in Berlin noch persönlich miterlebt hat, weiß, dass die Berliner ihn als Kultfigur geradezu vergötterten. Auch bei seinem „Berlin-Zitat“ gab es kein Hohngelächter, nur frenetischen Beifall. Überhaupt ist die Bezeichnung eines Pfannkuchens als „Berliner“ ein Idiom, das nur in den westdeutschen („alten“) Bundesländern bekannt, in Berlin dagegen vollkommen ungebräuchlich ist.

Jeder deutsche Muttersprachler kann bestätigen, dass man „Ich bin ein Berliner“ sagen kann, ohne sich als Pfannkuchen zu outen.

Quelle: Matrix3000 Band 92

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