04/28/2016 11:37

„Dirtboxes“ - neuestes Überwachungs-Spielzeug der Justizbehörden

Category: Politik

Bild: Wall Street Journal

Flächendeckende Überwachungskameras und Durchforstung privater und öffentlicher Datenbanken durch die Strafverfolgungsbehörden - das alles ist im Zeitalter der allgemeinen Überwachungshysterie noch nicht genug. Um dem durch gezielt geschürte Terrorängste verschreckten Bürger auch noch das letzte Quentchen Angst nehmen zu können, werden vom US-Justizministerium sogenannte „Dirtboxes“ eingesetzt.

Dabei handelt es sich um Hardware an Bord von Kleinflugzeugen, zum Teil auch von Mini-Drohnen, wie sie auch an Privatpersonen verkauft werden, z. B. bei Amazon.

Stichwort: Wenn Jedermann seine Nachbarn ausspionieren darf, wird er sich auch nicht daran stören, wenn der Staat das Gleiche tut.

Auf jeden Fall - wenn derartige kleine Flugobjekte irgendwo in der Stadt über jemandes Kopf hinwegfliegen, wird sich kaum jemand darüber Gedanken machen. Dabei sind die „Dirtboxes“ das, wonach sie benannt sind - eine Technologie, hinter der ziemlich schmutzige Gedanken stecken. Sie senden Frequenzen aus, mit deren Hilfe sie sich als „Handymasten“ ausgeben und die in der Umgebung befindlichen Mobiltelefone in den Taschen der ahnungslosen Passanten auffordern, sich zu registrieren. Hat die Dirtbox einmal die Verbindung zu einem Handy hergestellt, kann sie deren Besitzer weiter „tracken“, d. h. seinen weiteren Weg durch die Stadt verfolgen sowie das, was er mit seinen Begleitpersonen spricht, mithören, ohne dass er dazu ein Telefongespräch führen müsste. Sollten Sie sich jetzt zurücklehnen und sagen, auf die Vorratsdatenspeicherung der Telefonanbieter könnten die Justizbehörden doch schon seit Langem zugreifen, dann sei auf einen wesentlichen Unterschied hingewiesen: Natürlich - so altmodisch-naive Dinge wie „richterliche Beschlüsse“ brauchen moderne Sheriffs nicht mehr. Die Telefonkonzerne liefern auch so, oder man hackt sich selbst rein. Aber all das geschieht im Nachhinein, wenn der Handybesitzer längst über alle Berge ist. Vorratsdatenspeicherung dient dem Sammeln von Beweisen und Indizien, nicht zur direkten Verfolgung von Zielpersonen!

Dirtboxes dagegen arbeiten in Realzeit und können direkt zum Tracking eines Menschen benutzt werden. Umständliches Hin- und Herschalten zwischen Überwachungskameras unterschiedlicher Besitzer entfällt. GPS ist in engen Straßenschluchten oft unzuverlässig. Solange die Zielperson kein Wegwerfhandy hat und dieses nicht seiner endgültigen Bestimmung zuführt, hat man ihn mit der Dirtbox lückenlos an der langen Leine.

Diese erschreckende Technologie, die übrigens vom Flugzeughersteller Boeing gebaut wird, soll einem Bericht des Wall Street Journal zufolge seit fast zehn Jahren im Einsatz sein - anfangs ausschließlich in kleinen Cessnas, die von Flughäfen aus Innenstadtgebiete der Großstädte abdecken. Trotz aller Diskussionen in der Bevölkerung über den zunehmenden Überwachungsstaat war die Technologie der Dirtboxes bislang auch in Insiderkreisen kaum bekannt. Es blieb der wiederbelebten Kultserie „Akte X“ vorbehalten, die Öffentlichkeit für die Dirtboxes zu sensibilisieren. Mag das Sechs-Folgen-Revival der Serie ansonsten auch ein ziemlicher Flop gewesen sein, der nie an das Original anknüpfen konnte - gleich in der ersten Folge gab es dennoch eines der wenigen Highlights. Es war der Moment, als der gealterte Fox Mulder reflexartig zum Himmel schaute, nachdem er von einem Verschwörungsblogger auf der Straße angesprochen worden war. Mulder forderte den Mann auf, woanders hinzugehen, da gerade eine Dirtbox über sie hinweggeflogen sei.

Quelle: Matrix3000 Band 93

Matrix3000 Band 93 als E-Paper-Download