04/28/2016 11:40

Der It-Man und sein Macher

Category: Politik

Links im Bild: Der berüchtigte US-Politstratege Roger Stone in einem Fernsehinterview. Im Hintergrund auf dem Monitor sein neuester politischer Ziehsohn Donald Trump. Bild: CNN

Donald Trumps Erfolgsrezept

Spätestens seit dem Super Tuesday wissen wir – das Phänomen Donald Trump ist keine Eintagsfliege, sondern wird uns noch geraume Zeit in Atem halten. Wie ist es möglich, dass ein rechtspopulistischer Demagoge, der mit prolligem Pöbeljargon daherkommt, ständig lügt und dabei nicht einmal sympathisch ist, derart die Massen fasziniert?

Wer diese Fragen stellt, sollte berücksichtigen: An Donald Trumps Auftritten ist nichts spontan und auch nichts wirkliche persönliche Überzeugung. Alles an ihm ist inszeniert. Dem New Yorker Immobilien-Tycoon ist konservatives Gedankengut völlig Wurst, im Gegensatz zu seinen Kontrahenten. Trump könnte – sobald er die Nominierung in der Tasche hat – sogar in die liberale Mitte rücken, nur um Hillary Clinton schlagen zu können. Auch diese Werte bedeuten ihm nichts. Donald Trump geht es nur um Donald Trump. Ein narzisstischer Egomane, der nur gewinnen will, und zwar nicht „für die Amerikaner“, sondern nur für sich selbst. Ein männliches It-Girl, ein Mann, der seine Bekanntheit nur aus seiner Bekanntheit schöpft. Mehr hat er nicht zu bieten, und gerade das macht ihn gefährlich.

Die Selbstinszenierung

Einen Großteil seiner Popularität verdankt Donald Trump der Tatsache, dass die Mehrheit der republikanischen Parteibasis das Washingtoner Polit-Establishment als korrupt und abgewirtschaftet verachtet. Trump dagegen halten sie für einen „ehrlichen, unbestechlichen Kerl“. Für einen „Selfmade- Man“, einen wahren Amerikaner, der den amerikanischen Traum lebt und mit seiner eigenen Hände Arbeit und seinem Fleiß ein Vermögen verdiente. Nichts könnte falscher sein als das!

Die Erfolgsstory der Trumps begann 1885, als auf dem Höhepunkt des Goldrausches in Alaska der 16jährige Friedrich Trump, ein einfacher Friseur aus Kallstadt bei Kaiserslautern, nach Amerika auswanderte. Zunächst nach Seattle, dann an den Klondike. Doch schon damals machte man sich als echter Trump nicht die Hände schmutzig, und so schürfte Friedrich Trump das Gold nicht selbst, sondern bevorzugte, es anderen Goldsuchern abzuknöpfen. Er gründete mehrere Saloons, in denen man seine Nuggets beim Pokern, für Whisky und Prostituierte verjuxen konnte.

Sein Sohn Fred gab sich schon als richtiger Amerikaner, und seither wird das U im Familiennamen wie „A“ ausgesprochen. Zur Zeit des ersten Weltkrieges empfahl es sich nicht, deutsche Wurzeln an die große Glocke zu hängen. Als Fred Trump Geschäftsmann wurde, war es die Zeit des liberalen „New Deal“ von Franklin D. Roosevelt. Er baute Häuser für die Mittelschicht, deren raumsparende Bauart mit den begehbaren Wandschränken bis heute für amerikanische Vorstädte prägend ist. Dafür kassierte er vom Staat Subventionen in Millionenhöhe. Seinem Sohn Donald hinterließ er ein Vermögen von 200 Millionen Dollar. Vom „amerikanischen Traum“ keine Rede. So viel zu Donald Trumps Sprüchen: „Ich bin erfolgreich, und auch Du kannst es werden!“ Ex-Konkurrent Marco Rubio hatte recht: Hätte Trump nicht seinen Vater beerbt, würde er heute vermutlich in New York auf der Straße Uhren verkaufen.

Doch nicht nur das Geld erbte Donald Trump von seinem Vater. Er lernte von ihm auch alle Winkelzüge der Bestechung und Vetternwirtschaft. Unter seiner Ägide wurde „Trump“ zur lukrativen Luxusmarke, da die Fördergelder für Einfamilienhäuschen ausgelaufen waren. Er animierte die Superreichen, ihren Wohlstand endlich protzig zur Schau zu stellen, und machte damit märchenhaft Kasse. Großzügige Geschenke an New Yorker Kommunalpolitiker erbrachten ihm zum Dank 60 Millionen Dollar Grundsteuernachlass beim Erwerb eines bankrotten Luxushotels. Eines seiner ersten Großprojekte.

Erfolg macht frech. Als er seinen pompösen Trump Tower an der Fifth Avenue baute, wollte er erneut die Grundsteuer sparen, aber die New Yorker Stadtverwaltung sperrte sich. Donald Trump ging vor Gericht und erstritt dort immerhin 164 Millionen. Und was seine politischen Überzeugungen betrifft – den Trump Tower ließ der Immobilien-Tycoon, der am liebsten alle Mexikaner und Muslime deportieren würde, von ausländischen Schwarzarbeitern errichten, für die er nicht einmal Sozialversicherung bezahlte. Eine von Trump gegründete Universität soll Studenten mit falschen Versprechungen um rund 40 Millionen Dollar betrogen haben. So viel zu dem „ehrlichen Kerl“.Und jetzt will er Präsident spielen.

Der Grandseigneur der Schlammschlachten

Donald Trump bietet seinen Konkurrenten also Angriffspunkte wie kaum ein zweiter. Das Bild, das er von sich in der Öffentlichkeit zeichnet, und die Realität klaffen meilenweit auseinander. Wie ist es möglich, dass so einer die gewohnten Schlammschlachten des US-Wahlkampfs länger als vier Wochen überlebt? Normalerweise reicht es aus, dass die Schwiegermutter vor 20 Jahren mal beim Psychologen war, um einen Kandidaten stolpern zu lassen. Doch so viel man Trump auch vorwerfen kann, es perlt an ihm ab, und nicht nur an ihm – auch an seinen immer zahlreicher werdenden Fans, die die Wahrheit gar nicht hören wollen. Das ist ein Verdienst des Mannes, der im Hintergrund von Donald Trump zeitweise die Fäden zog. Der Politikberater Roger Stone hat in seiner jahrzehntelangen Karriere schon so manchem dubiosen Kandidaten den Weg geebnet. Politische Beobachter nennen ihn den Grandseigneur der Schlammschlachten. Er hat Donald Trump gemacht.

Stones Karriere begann, als er – noch als Student – bei Richard Nixons Wahlkampf mitmischte. Schon damals ging es vorrangig darum, Gegner zu diskreditieren. Als „Linker“ getarnt, übergab Stone an Gegenkandidaten Geldspenden, um sie später als „Kommunistenfreunde“ bloßstellen zu können. Auch Ronald Reagan bereitete Stone den Weg, als Strippenzieher und Spin-Doctor. Parallel dazu war er jahrzehntelang Lobbyist von Donald Trump.

Roger Stones Devise für einen erfolgreichen Wahlkampf umfasst im Grunde nur ein Mantra: „Angriff, Angriff, Angriff.“ Im Detail bedeutet dies: „Gib nichts zu, streite alles ab, gehe zum Gegenangriff über.“ Diese Devise hat Donald Trump bis ins Mark verinnerlicht, obwohl seine Zusammenarbeit mit Stone nach wenigen Wochen Wahlkampf endete – nach einem ersten verbalen Missgriff vor der Kamera. Trump hatte auf Empfehlung seines Mentors der rechtskonservativen Fox-TV-Moderatorin Megyn Kelly „Menstruationsprobleme“ unterstellt. Offiziell hat Trump Stone nach diesem Eklat gefeuert, Stone hingegen will „selbst gekündigt“ haben.

Doch der Kandidat hatte bereits alles gelernt. Auf den Ku-Klux- Klan angesprochen, der ihn unterstütze, spielte er den Ahnungslosen, der gar nicht wusste, wer das sei. Das müsse er erst mal googeln. Nächste Frage bitte. Faktenwissen in unterschiedlichen Politikbereichen – Fehlanzeige. Hauptsache, er will „alles besser“ machen. Donald Trump ist kein Mann für Argumente, er ist ein Stoßstürmer für den Strafraum. Angriff, koste es, was es wolle. Das hat ihm Roger Stone beigebracht. Ironischerweise ist Donald Trump ein Polarisierer, der selbst von sich behauptet, seine Partei und das Land „einen“ zu wollen. Und da könnte er sogar recht behalten. Er gab Anlass zu Koalitionen, die niemand für möglich gehalten hätte. Führende Republikaner, sogar aus dem Kongress, gaben bekannt, sie würden Hillary Clinton wählen, falls Trump kandidiere. Und der Boston Globe erinnerte in einem Leitartikel an John F. Kennedys kategorischen Imperativ: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage dich, was du für dein Land tun kannst.“ Darauf das Blatt: „Nie war die Antwort auf diese Frage klarer: Verhindere Donald Trump.“

Quelle: Matrix3000 Band 93

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