04/28/2016 04:30

Rudolph Valentinos Ring

Category: Mystery

Rudolph Valentino (1895-1926)

Pola Negri (1897-1987)

Ähnlich wie Jahrzehnte später Marilyn Monroe und James Dean wurde auch Rudolph Valentino, ein italienischer Stummfilmstar der Zwanziger Jahre, durch seinen viel zu frühen Tod zur Legende.

Wie so viele Stars vor und nach ihm ließ Valentino sich treiben, geblendet vom Ruhm. „Ein Mann sollte sein Leben kontrollieren. Mein Leben kontrolliert mich.“, sagte er einmal. In der festen Überzeugung, ein Auserwählter zu sein, dem nichts geschehen kann, kaufte er 1920 in einem Juwelierladen in San Francisco einen Ring - einen schlichten, nicht einmal schönen Silberring mit einem Halbedelstein -, obwohl ihn der Geschäftsinhaber ausdrücklich davor gewarnt hatte. Der Ring sei verflucht, so der Juwelier. Doch Valentino lachte nur - diese Geschichte mache das Schmuckstück für ihn nur noch attraktiver.

Und in der Tat trug der Filmstar den Ring von nun an häufig am Finger - und das Schicksal des erfolgsverwöhnten Sonnyboys wendete sich zunehmend zum Schlechten. Wirkte die Bemerkung des Juweliers in seinem Unbewussten doch weiter?

1922 musste er erstmals erfahren, dass einer seiner Filme an den Kinokassen und bei den Kritikern floppte. „Der junge Rajah“ blieb den Cineasten bis heute nur durch die malerischen Kostüme im Gedächtnis, die Valentinos Ehefrau Natacha Rambova entworfen hatte. Mehr als zwei Jahre war Valentino „weg vom Fenster“.

Den Ring trug er erst wieder in seinem letzten Film „Der Sohn des Scheichs“ am Finger. Nur kurze Zeit später brach der erst 31 Jahre alte Star in einem New Yorker Hotelzimmer mit perforiertem Blinddarm zusammen. Acht Tage später war er tot.

Nach Valentinos Tod „erbte“ seine langjährige Freundin, die aus Polen stammende Hollywood-Diva Pola Negri, den Ring. Auch sie erlebte kurz darauf einen Karriereknick. Sie erkrankte schwer, und nach ihrer Genesung brachte sie eine pressewirksame Heirat mit dem windigen georgischen Prinzen Sergej Mdivani in finanzielle Schwierigkeiten. Pola Negri kehrte nach Europa zurück, drehte weniger erfolgreiche Filme bei der UFA in Potsdam, bis die Nazis es ihr verboten, und reiste erst während des Zweiten Weltkrieges wieder in die USA. Ihren Ruhm der Zwanziger Jahre erreichte sie nie mehr.

Den Ring besaß sie zu dieser Zeit schon längst nicht mehr. Sie hatte ihn Russ Colombo geschenkt, einem jungen aufstrebenen Schauspieler, der fast das Ebenbild Valentinos war. Der Name sagt Ihnen nichts? Kein Wunder - Colombo starb nur wenige Tage später, als er bei einer Übung mit Feuerwaffen versehentlich erschossen wurde. Sein Freund Joe Casino übernahm den Ring, hob ihn aber nur als Erinnerungsstück in einer Glasvitrine auf. Irgendwann vergaß er den Fluch und steckte den Ring an den Finger. Eine Woche später wurde er von einem Lastwagen überfahren. Casinos Bruder Del, der das verhängnisvolle Schmuckstück nun besaß, war nicht abergläubisch und trug den Ring öffentlich zur Schau, zum Beweis, dass alle Geschichten über einen „Fluch“ nur Unsinn seien. Tatsächlich geschah vorerst nichts.

Doch dann wurde in Casinos Haus eingebrochen. Der Täter entkam. Einer seiner Verfolger gab einen Warnschuss in die Luft ab, aber versehentlich zu tief, so dass die Kugel den Einbrecher tötete. Der Ring wurde in seiner Jackentasche gefunden.

Das Schmuckstück kam zurück in den Besitz Casinos und verblieb dort, bis der Filmproduzent Edward Small es für eine Verfilmung des Lebens Rudolph Valentinos als Requisite anforderte. Er wollte Probeaufnahmen mit Jack Dunn machen - einem Eislaufpartner von Sonja Henie, der Valentino sehr ähnlich sah. Dunn trug bei der Probeaufnahme Originalkleidung Valentinos und dessen Ring am Finger. Zehn Tage später starb er im Alter von nur 21 Jahren an einer seltenen Blutkrankheit.

Nach dieser neuerlichen Tragödie beschloss Casino, die Welt endgültig vom Fluch des Ringes zu befreien, an den er selbst nie geglaubt hatte. Er deponierte den Ring für immer im Tresor einer Bank. Seither wurde diese Bank zwar mehrfach ausgeraubt, es kam auch zu Ausbrüchen von Feuer, doch es kamen keine Menschen mehr zu Schaden. Der Ring befindet sich dort bis heute.

Offiziell glaubt weiterhin niemand an einen Fluch, doch in der rasanten Ereigniskette um Valentinos Ring gab es ein paar Zufälle zu viel. Enthielt der Ring doch eine Information?

Woher der Juwelier in San Francisco von dem Fluch des Ringes gewusst hatte und woher dieser angebliche Fluch eigentlich stammte, ist nie bekannt geworden.

Quelle: Matrix3000 Band 93

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