06/30/2016 11:09

„Money Monster“ George Clooney: TV-Nachrichten - nur noch Show

Category: Politik

Julia Roberts und George Clooney auf der Pressekonferenz in Cannes

Auf dem internationalen Filmfestival in Cannes 2016 hatte auch Jodie Fosters neuestes Filmdrama aus Hollywood Premiere: Money Monster. Mit Julia Roberts und George Clooney in den Hauptrollen.

Der Film erzählt die Geschichte eines TV-Börsengurus (George Clooney), der vor laufender Kamera von einem Wutbürger als Geisel genommen wird, weil der aufgrund der Börsentipps des TV-Mannes sein ganzes Geld verloren hatte.

Die internationale Presse charakterisierte den Film als „Aufarbeitung der Finanzkrise“, in völliger Verkennung der eigentlichen Aussage des Films.

Auf der offiziellen Pressekonferenz erläuterte Hollywood-Star Clooney, was der Film dem Zuschauer in Wirklichkeit vermitteln will:

„Money Monster handelt von der Evolution einer Kreuzung zwischen Nachrichten und Entertainment. Ich denke, das ist ein großes Problem. [Der Film] Network fing damit an. Kritiker schrieben damals, es sei eine der größten schwarzen Komödien aller Zeiten. Ich denke, es ist tatsächlich ein großer Film, aber es ist keine Komödie. Weil alles, was (der Drehbuchautor) Paddy Chayevsky damals schrieb, inzwischen wahr geworden ist. Wir konnten uns damals die Idee von Reality Shows nicht vorstellen, wie sie in diesem Film gezeigt wurden. Das jetzt ist so etwas wie eine Reflektion darüber. Inzwischen haben wir uns derart an die Idee gewöhnt, dass irgendein Schmock auf dem Bildschirm erscheint und Ihnen sagt, wie Sie Ihr Geld investieren sollen, und sie machen daraus Unterhaltung, und die Menschen hören darauf und tun es, und sie verlieren dadurch etwas in ihrem realen Leben, und der Rest der Welt macht weiter … Sie wissen schon. … Der Film reflektiert, wie weit es mit uns gekommen ist in dieser gefährlichen Kombination von Nachrichten und Unterhaltung.“

Mit TV-Unterhaltung wollen wir uns die Zeit vertreiben - Spaß haben und Spannung, vielleicht auch sanften Grusel. Nachrichten dagegen sind eigentlich dazu da, damit wir uns „nach ihnen richten“. Infotainment und Reality Shows - eine Vermischung beider Genres - führen zu einem gefährlichen Realitätsverlust bei der Bevölkerung. Zu einer zunehmenden Unfähigkeit, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Den Mächtigen und Reichen, die Zugriff auf die Medien haben, gibt das noch mehr Möglichkeiten, die Massen im Sinne ihrer Ziele zu manipulieren und aus ihrer anfangs fiktiven Botschaft Realität zu formen.

George Clooney, der sich im Privatleben stark politisch engagiert, ist bekennender Anhänger und Spendensammler von Hillary Clinton. Für ihn ist die Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps vorläufiger Höhepunkt einer Entwicklung, wie sie „Money Monster“ zeigt:

„Nachrichten rund um die Uhr bedeuten nicht, dass Sie mehr Nachrichten bekommen. Es bedeutet, Sie bekommen immer häufiger immer wieder die gleichen Nachrichten serviert. Immer und immer öfter hören Sie diese Kerle, ihre Quoten gehen hoch, weil sie ein leeres Podium zeigen können und dazu sagen: ‚Gleich wird Donald Trump sprechen.‘ Anstatt diese 30 Sekunden zu benutzen, um über etwas wirklich Wichtiges zu reden.“

Man darf dabei nicht übersehen, dass George Clooney selbst Teil der heutigen Reality- und Selfie-Kultur ist. Seine Hochzeit in Italien inszenierte er als Millionen teures Medienevent, und die ganze Welt schaute zu.

Quelle: Matrix3000 Band 94