06/30/2016 12:10

Neue Hoffnung für Leukämie-Patienten

Category: Gesundheit

Wissenschaftler des Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle (Washington) haben in diesem Jahr die Ergebnisse ihrer jahrelangen Forschungsarbeit über eine neue Therapiemöglichkeit zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Von 29 Patienten einer Studie kam es bei 27 zu einer vollständigen Remission.

Bei den Teilnehmern der Studie handelte es sich ausnahmslos um Patienten, bei denen andere Behandlungsformen versagt hatten, was den Erfolg der neuen Methode noch steigert. Den meisten von ihnen war eine Überlebenschance von nur wenigen Monaten prognostiziert worden.

Die Methode basiert auf einer neuartigen Immuntherapie, genauer gesagt darauf, das Immunsystem so zu verändern, dass es die Krankheit von selbst bekämpft. Mit Hilfe von Gentherapie modifizierte das Forscherteam die T-Lymphozyten der Patienten. denen ein sogenanntes CAR-Molekül hinzugefügt wurde, das in der Lage ist, Krebszellen zu erkennen. Ein entscheidender Vorteil der Therapie ist es, dass sie nur einmal angewendet werden müssen. Wurden die modifizierten T-Zellen in den Körper eines Patienten eingebracht, vermehren sie sich selbsttätig, so dass Wiederholungen unnötig sind.

Der Leiter der Forschergruppe, Dr. Stan Riddell, präsentierte die Forschungsergebnisse auf einer Tagung der Association for the Advancements of Science in Washington. Die Resultate sind atemberaubend. Drei Jahre nach Behandlungsbeginn waren alle Teilnehmer der Studie noch am Leben, und bei 27 von ihnen war es zu einer vollständigen Remission gekommen, d. h. es gab keinerlei Spuren der Krankheit mehr.

Die Methode wurde auch bereits an Patienten erprobt, die am Non-Hodgkin-Lymphom leiden, einer bösartigen Erkrankung der Lymphdrüsen. Auch hier kam es bei 19 von 30 Studienteilnehmern zu einer vollständigen Gesundung.

Die Therapie ist noch in der Testphase. Dr. Riddell und seine Mitarbeiter modifizieren sie noch laufend, um die Wirksamkeit zu verbessern und die Nebenwirkungen - Fieber und starker Blutdruckabfall - zu reduzieren.

Gleichzeitig arbeiten die Wissenschaftler im Labor noch an einer neuen Generation verbesserter modifizierter T-Lymphozyten. Es ist klar, dass Gentherapie in weiten Kreisen der Bevölkerung auf Ablehnung oder zumindest auf Misstrauen stößt. Langzeitbeobachtungen sind nötig, um festzustellen, ob die Einbringung genetisch veränderter Zellen in den menschlichen Körper nicht andere, unvorhersehbare Seiteneffekte zeigt. Immerhin ist es aber auch nachvollziehbar, dass viele Menschen, denen herkömmliche Therapien nur noch eine kurze Überlebensspanne sichern könnten, durchaus bereit sind, dieses Risiko in Kauf zu nehmen. Ob und wann die Therapie allgemein zum Einsatz freigegeben wird, ist noch völlig offen.

Quelle: Matrix3000 Band 94