06/30/2016 12:46

Das Unglücksauto

Category: Mystery

In Matrix3000 Band 89 berichteten wir, wie der Porsche, in dem James Dean tödlich verunglückte, auch später noch weitere Menschen tötete, bis man ihn „aus dem Verkehr zog.“ Mag man dies noch als eine Verkettung unglaublicher Zufälle ansehen – es scheint mehr solcher prominenter Unglücksautos zu geben. Eines davon ist das Cabriolet, in dem Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau starben, als sie 1914 durch Sarajevo fuhren, wodurch letztendlich der erste Weltkrieg ausgelöst wurde.

In Band 93 konnten Sie lesen, dass bereits das Attentat auf das Kronprinzenpaar nur durch eine Verkettung äußerst seltsamer Umstände gelang. Doch auch in diesem Fall war es noch nicht das Ende der Geschichte…

Das Luxus-Cabriolet, in dem der Erzherzog und seine Frau ihr Leben verloren, wurde nach deren Tod von General Potiorek, dem österreichischen Armee¬inspektor von Sarajevo, weiter benutzt. Er war der erste, der am eigenen Leib zu spüren bekam, dass dieses Auto seinen Benutzern Unglück brachte.

General Potiorek war es gewesen, der das Erzherzogspaar zu den Manövern nach Bosnien eingeladen hatte. Aufgrund der großen Sicherheitsrisiken sollte die Autofahrt durch die Stadt im letzten Moment eigentlich noch abgesagt werden. Doch der General fürchtete, sein Gesicht zu verlieren oder für feig gehalten zu werden, und bestand auf der Einhaltung des geplanten Besuchsprogramms. Er selbst saß mit in dem Wagen, blieb aber bei dem Attentat unverletzt. Kaiser Franz Joseph I. beließ ihn ungeachtet der Tragödie im Amt und ernannte ihn bei Kriegsausbruch sogar zum Oberbefehlshaber der Balkanstreitkräfte. Doch der General blieb vom Glück verlassen. Durch persönliche strategische Fehler verlor Österreich die ersten Schlachten gegen Serbien. General Potiorek wurde am 1. Januar 1915 seines Postens enthoben und pensioniert. Er zog sich vollkommen aus der Öffentlichkeit zurück und verließ kaum noch seine Wohnung in Klagenfurt, wo er 1933 verstarb.

Das Cabriolet war mittlerweile in den Besitz eines Hauptmanns übergegangen, der unter Potioreks Befehl diente. Ihn ereilte das Schicksal schon bald. Mit hoher Geschwindigkeit überfuhr und tötete er zwei kroatische Bauern und prallte schließlich gegen einen Baum. Als Hilfe eintraf, war der Hauptmann bereits tot. Er hatte den Wagen nur neun Tage lang besessen.

Nach Ende des ersten Weltkrieges kam der wieder hergestellte Wagen in den Besitz des Gouverneurs des neugegründeten Staates Jugoslawien. Der hatte im Verlauf von vier Monaten insgesamt vier Unfälle mit dem Wagen, wobei er bei dem letzten Unfall einen Arm verlor. Er verfügte daraufhin, das Auto zu verschrotten.

Dem Wagen haftete mittlerweile ein derart schlechter Ruf an, dass es unwahrscheinlich erschien, dass irgend jemand noch mit ihm fahren wollte. Und doch fand sich ein Käufer, ein Doktor Srkis, der über die Geschichten über einen „Fluch“ lachte. Er erwarb das Auto „für einen Apfel und ein Ei“. Da er keinen Chauffeur finden konnte, steuerte er den Wagen selbst, stolz auf sein luxuriöses „Schnäppchen“. Dass sechs Monate lang nichts geschah, bestärkte ihn nur in seiner Überzeugung, dass der „Fluch“ nichts als Aberglaube sei.

Eines Morgens wurde der Wagen abseits der Straße gefunden. Er lag auf dem Dach, hatte sich offenbar mehrfach überschlagen. Doktor Srkis war herausgeschleudert worden und lag tot neben dem Fahrzeug. Seine Leiche war grausam zugerichtet. Der Witwe des Doktors gelang es, den Wagen einem reichen Juwelier zu verkaufen. Er fuhr das Auto etwa ein Jahr, dann beging er Selbstmord. Der nächste Besitzer war erneut ein Arzt. Dem liefen in kürzester Zeit seine Patienten davon, die sich vor dem „Arzt mit dem Unglücksauto“ fürchteten.

Also verkaufte er das Cabriolet, und zwar an einen Schweizer Rennfahrer. Der fuhr damit ein Rennen, bei dem er gegen eine Mauer fuhr und ums Leben kam.

Das Cabriolet kehrte daraufhin nach Sarajevo zurück, der neue Eigentümer war ein reicher Bauer, der das Auto erneut restaurieren ließ und mehrere Monate mit ihm sicher fuhr. Eines Tages blieb er mitten auf der Chaussee mit einem Motorschaden stehen. Der Bauer holte sein Pferdefuhrwerk, um den Wagen abzuschleppen. Und dann geschah das Unfassbare: Der Motor startete von selbst wieder und überrollte das Fuhrwerk inklusive des Bauern und des Pferdes. Die nächste Kurve kriegte er nicht, sondern fuhr in den Straßengraben.

Ein Mechaniker erwarb das Wrack, baute es einmal mehr neu auf und lackierte es um. Trotzdem fand er keinen Käufer, also fuhr er selbst damit. Eines Tages chauffierte er fünf Freunde zu einer Hochzeitsfeier. Als er mit hoher Geschwindigkeit einen anderen Wagen überholte, prallte er gegen einen Baum. Der Fahrer und vier weitere Insassen fanden den Tod.

Es reichte. Das erneut restaurierte Automobil fuhr nie wieder, sondern fand seinen Platz im Museum. Insgesamt waren ihm sechzehn Menschen zum Opfer gefallen. Das Auto selbst begegnete auch seinem Schicksal. Im zweiten Weltkrieg fiel das Museum einem Bombenangriff zum Opfer, bei dem auch Franz Ferdinands Cabriolet endgültig zerstört wurde.

Quelle: Matrix3000 Band 94