08/23/2016 08:02

Premiere für Tötungs- Roboter - und andere Automatismen

Category: Politik

Bei der Tötung des Dallas-Attentäters kam vermutlich ein Bombenentschärfungsroboter Andros F6A von Northrop Grumman zum Einsatz.

Der Mord an mehreren texanischen Polizisten in Dallas, verübt von einem Heckenschützen, ging in diesem Sommer durch die Medien. Nur am Rande erwähnt wurde die Tatsache, dass der Sniper letztendlich von einem ferngesteuerten Tötungs-Roboter getötet wurde - ein Novum im amerikanischen Polizeiwesen. Der Täter hatte sich in einem Parkhaus verschanzt, und der Polizeipräsident von Dallas wollte auf Nummer Sicher gehen, nachdem er bereits fünf Beamte verloren hatte. Eine Drohne hatte er offenbar nicht zur Hand.

Dieser erste Einsatz einer Tötungsmaschine - durch Polizeikräfte und außerhalb von Kriegsgebieten - zeigt, wie weit die Automatisierung von Sicherheits- und Überwachungstechnologien im städtischen Umfeld normaler Bürger bereits gediehen ist (siehe auch den Artikel „Verbotene Zonen sind überall“ in dieser Ausgabe).

Dazu passt auch der Einsatz „automatisierter Fahndungsmethoden“. Machte man noch vor Jahrzehnten selbst das Bild eines Angeklagten vor Gericht unkenntlich, solange er nicht verurteilt war und daher juristisch als unschuldig galt, so postete die Polizei von Dallas ohne Skrupel das Foto eines friedlichen Demonstranten bei Twitter. Der Mann war ihnen verdächtig vorgekommen, weil er lediglich eine Tarnjacke trug und eine Schusswaffe bei sich hatte (was in den USA ja sein Recht ist, worauf die Waffenlobby sowie Donald Trump so energisch bestehen - aber vermutlich denken sie dabei nur an Weiße).

Die Polizeibehörde bat in dem Tweet die Internet Community um Mithilfe bei der Suche nach dem „Verdächtigen“. Als der Mann davon erfuhr, stellte er sich selbst den Behörden. Er war vollkommen unschuldig, und der Polizei-Tweet wurde gelöscht - wohlgemerkt, nachdem er bereits von Tausenden von Nutzern retweeted worden war. Seither erhalten der zu Unrecht Beschuldigte und seine Familie massenhaft Morddrohungen. Die Familie musste aus ihrem Haus fliehen und versteckt sich seither an einem unbekannten Ort.

Ganz nebenbei: Aufgrund der allgemeinen Trauer um die getöteten Beamten, die sogar zu einem Solidaritätseffekt zwischen Weißen und Afroamerikanern führte, sprach niemand mehr darüber, was eigentlich die neuen Rassenkrawalle in den USA ausgelöst hatte. In mehreren Bundesstaaten waren erneut unschuldige Farbige von rassistischen Polizisten getötet worden - einer z. B., weil an seinem Auto das Rücklicht nicht brannte. Die Freundin des Opfers, die auf dem Beifahrersitz saß, filmte mit ihrem Handy, wie ihr Freund ohne ersichtlichen Grund durch das Fenster hindurch erschossen wurde. Von „Notwehr“ keine Spur. Um diese Opfer trauerte nach Dallas niemand mehr...

Quelle: Matrix3000 Band 95