08/23/2016 09:27

Online-Medizin - Hilfreich oder nur Spielerei?

Category: Gesundheit

„Hallo, hier ist Ihr Online-Arzt Dr. Hacker. Nennen Sie bitte Ihre Symptome, und wir schicken Ihnen ein Rezept auf Ihren Drucker.“

Was lange Zeit als Witz erzählt wurde, entwickelt sich mehr und mehr zur Realität, wenn auch nicht in dieser überspitzten Weise. Online-Beratungen im Internet, Smartwatches mit Auswertung von Herzschlag oder Schlafrhythmus über das Smartphone - alle diese neuen „coolen“ Möglichkeiten machen allenthalben die Runde. Sind sie wirklich hilfreich?

Die App für den Depp?

„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ Diesen Satz kennen wir alle auswendig. Nur beziehen wir ihn in der Regel ausschließlich auf Medikamente. Der Anzeige einer professionell aussehenden Fitness-App hingegen vertrauen wir oft blind. Muss doch stimmen, wenn es da steht!

Dabei haben auch Smartwatches eine „Packungsbeilage“, und auch die sollten wir lesen. Bei der „Samsung Gear Fit“ zum Beispiel finden wir folgenden Warnhinweis: „Pedometer-, Schlaf-, Bewegungs- und Herzfrequenzmessungen sind für Freizeit, Wohlbefinden und zu Fitnesszwecken und sind nicht für den medizinischen Gebrauch bestimmt.“

Einer Studie des Peter-L.-Reichertz-Instituts für Medizinische Informatik im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums ergab, dass viele Medizin-Apps nicht halten, was sie versprechen, und dass die Messdaten für medizinische Zwecke zu ungenau seien. Bei der Präsentation der Studie für die Presse appellierte Bundesgesundheitsminister Gröhe an die App-Entwickler, sich gemeinsam mit Patienten und Ärzten auf klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu einigen. Fitness-Apps - nur etwas für Deppen? Sicher nicht, solange man die Grenzen der hübschen Produkte kennt. Will man wissen, ob das Jogging zur Gewichtsabnahme ausreichte, sind Fitness- Apps o.k., zur Herzinfarktprophylaxe jedoch sollte man sich auf sie lieber - noch - nicht verlassen.

Frag den NetDoktor

Den gibt es wirklich, und seine Online-Praxis ist sieben Tage die Woche an 24 Stunden geöffnet. Die Beratung ist anonym, das Wartezimmer ist stets leer, man kommt sofort dran.

So weit die Vorteile. Dass ein Internet-Portal andererseits den realen Arzt nicht ersetzen kann, sollte klar sein. Der NetDoktor erhebt eine allgemeine Anamnese und fragt dann nach dem Hauptsymptom, wobei nachfolgend differentialdiagnostisch wichtige Zusatzfragen gestellt werden. Abschließend erhält man natürlich kein „Rezept auf den Drucker“, wie in unserem Witz, aber einen vorläufigen Diagnosevorschlag. Dass dieser nur vorläufig sein kann, folgt schon daraus, dass der reale Arzt womöglich bei den vorliegenden Symptomen ganz anders fragen könnte und zudem durch visuelle Inspektion und körperliche Untersuchung des Patienten zusätzlich auf neue Diagnosemöglichkeiten stoßen könnte.

Daher erhält ein Besucher des NetDoktor den Diagnosevorschlag auch erst angezeigt, wenn er den Warnhinweis aktiv zur Kenntnis genommen hat: „Die Vorschläge des Symptom-Checkers dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte verstanden werden.“.

Wer es ausprobieren möchte - die Praxis des NetDoktors finden Sie unter www.netdoktor.de.

Quelle: Matrix3000 Band 95. Dort finden Sie auch weitere Beispiele zur Online-Medizin.