08/24/2016 07:00

Churchills Bunker - Das Geheimtelefon auf dem Klo!

Category: History

Spektakulär: Der „Map Room“ (Landkartenraum) des Churchill-Bunkers mit den verschiedenfarbigen Telefonen.

Unter dem volkstümlichen Namen „Churchill War Rooms“ befinden sich bis heute in der King Charles Street in London, nahe Whitehall, auf halbem Wege zwischen den Houses of Parliament und Number 10 Downing Street, die unterirdischen Anlagen, die während des zweiten Weltkrieges die geheime Kommandozentrale der britischen Armee beherbergten.

Erst unter Premierministerin Margaret Thatcher wurden die Räume der Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben. Die größtenteils noch mit Originalmobiliar ausgestattete Bunkeranlage bietet den Touristen nicht nur einen interessanten Schauplatz der Geschichte. Sie zeigt auch die (epistemische) Ambivalenz der britischen Außenpolitik in der Vorkriegszeit der Dreißiger Jahre. Schon der Name ist nämlich irreführend. Die Anlagen wurden 1938 erbaut, obwohl Winston Churchill erst ab 1940 in Downing Street residierte.

Es war noch die Regierungszeit von Neville Chamberlain, der offiziell in den Geschichtsbüchern als Verfechter einer Appeasement- Politik gegenüber Nazideutschland bezeichnet wird. Unter seiner Ägide akzeptierte Großbritannien den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Chamberlain gehörte auch zu den Unterzeichnern des Münchner Abkommens, in dem Hitler die Annexion des zur Tschechoslowakei gehörenden Sudetenlandes gestattet wurde, um den Frieden zu wahren, wie es hieß. Wie wir alle wissen, hat Hitler daraufhin im Frühjahr 1939 der Einfachheit halber gleich die gesamte Tschechoslowakei dem deutschen Reichsgebiet einverleibt.

Der parallel erfolgte Bunkerbau in London für das britische Oberkommando beweist, dass schon Chamberlain insgeheim einen Weltkrieg offenbar für unabwendbar hielt. Als hätte man genau gewusst, wie die Geschichte weiter laufen würde, waren die Bunkeranlagen pünktlich am 27. August 1939 bezugsfertig, genau vier Tage vor dem „überraschenden“ deutschen Überfall auf Polen und eine Woche vor der britischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich.

Die „Cabinet War Rooms“, so der offizielle Name, dienten nicht nur dem Militär, sondern auch der Regierung als Schutzräume gegen die deutschen Luftangriffe. Eine Besonderheit war der streng geheime Transatlantic Telephone Room, der eine abhörsichere Direktleitung für den Premierminister zu US-Präsident Franklin D. Roosevelt bereitstellte. Mit diesem Telefon wurden vertrauliche Direktgespräche zwischen den alliierten Stabschefs der USA und Großbritanniens ermöglicht. Dieser Raum war so geheim, dass sogar die meisten im Bunker arbeitetenden Mitarbeiter nichts davon wussten. Die Tür war als Toilettentür getarnt, an der meistens „Besetzt“ stand. Da man des Öfteren Winston Churchill auf diesem „Klo“ für längere Zeit verschwinden sah, entstand im Bunker alsbald das Gerücht, die einzige „wirklich zufriedenstellende“ Toilette des Bunkers sei für den Premierminister reserviert. Der tat natürlich nichts, um dieses Gerücht zu dementieren.

Wie „abhörsicher“ das Geheimtelefon war, erklärte der Chef der vereinigten Geheimdienste im Reichssicherheitshauptamt, Walter Schellenberg, nach Kriegsende. Seinen Angaben zufolge war es der Forschungsabteilung der Deutschen Reichspost gelungen, die Leitung anzuzapfen...

Mit der Kapitulation Japans am 15. August 1945 wurde der Churchill-Bunker stillgelegt und ist seit 1948 eine historische Gedenkstätte.

Quelle: Matrix3000 Band 95