08/24/2016 07:12

Wie Panama ... zu Panama wurde

Category: History

Moderne Wolkenkratzer vor tropischer Traumkulisse und südländische Lässigkeit - das ist Panama. Aber nicht nur das!

... damit wir uns heute mit den Panama-Papers herumschlagen können. Oder wie?

Woran denken wir sonst noch, wenn wir den Namen Panama hören? An Panamahüte, an eine lässige Siesta in der Hängematte, an ein tropisches Paradies. Oder an die Tatsache, dass die USA den kleinen mittelamerikanischen Staat seit jeher als zu ihrer Einflusssphäre gehörig betrachten, dass sie die Panama-Kanalzone nach wie vor besetzt halten und dass US-Präsident George H. W. Bush sich 1989 berechtigt fühlte, seine Truppen im Rahmen der Operation Just Cause in Panama einrücken zu lassen, um einen missliebigen Diktator abzusetzen.

All das ist Panama - zweifelsohne - nur wie ist es eigentlich dazu gekommen? Und wie wurde Panama zum Steuerparadies?

Bis etwa 1900 gab es gar keinen Staat Panama. Die schmale Landbrücke zwischen Atlantik und Pazifik, der „Isthmus“ genannt, war ein Teil Kolumbiens. Die USA planten zu dieser Zeit den Bau eines Kanals durch Mittelamerika, damit die Schiffe nicht mehr den weiten Umweg über Kap Hoorn machen mussten. US-Präsident McKinley favorisierte einen Bau durch Nicaragua, das auch seine Bereitschaft dazu erklärte. Auch der Kongress hatte schon grünes Licht gegeben, doch dann fiel McKinley einem Attentat zum Opfer. Sein Nachfolger Theodore Roosevelt entschied sich völlig überraschend für den Isthmus.

Da Kolumbien sich sperrte, das Gebiet an die USA abzutreten, kam es 1903 im Zimmer 1162 des Hotels Waldorf Astoria in New York zu einem konspirativen Treffen. Dabei waren der Leiter des Kanal- Projekts, Philippe Bunau-Varilla, der mächtige Lobbyisten-Anwalt William Cromwell und panamesische Separatisten.

Man vereinbarte, mit militärischer Unterstützung der USA eine Revolution gegen Kolumbien anzuzetteln.

Roosevelt ließ daraufhin die Region durch US-Truppen gewaltsam besetzen und den unabhängigen Staat Panama ausrufen.

Der Vater des modernen Journalismus, Joseph Pulitzer, schrieb 1908, wie man Roosevelt zu diesem Kriegsabenteuer herumgekriegt hatte. Cromwell und der Bankier J. P. Morgan hatten zuvor im Stillen die Aktienmehrheit der Kanalgesellschaft übernommen und diese für 40 Millionen Dollar an die US-Regierung verkauft, wobei man Roosevelt phantastische Renditen in Aussicht stellte. Alle Beteiligten stritten diese Berichte zwar als „verleumderisch“ ab, konnten die Vorwürfe jedoch nicht widerlegen. Ihre Klage gegen Pulitzer vor dem obersten Gerichtshof der USA ging 1911 verloren.

Die von Washington eingesetzte Marionettenregierung unterzeichnete ein Abkommen zum Bau des Kanals. Er hätte eine gute Einnahmequelle für Panama sein können, hätten sich die USA nicht die Hoheitsrechte über die Kanalzone gesichert (und so ist es bis heute). Alle Versuche der UNO, den Kanal an Panama zurückzugeben, scheiterten am US-Veto.

Panama profitierte so vom Kanal nicht direkt, war aber von ihm abhängig, da er Arbeitsplätze für die Bevölkerung schuf. Jede Weltkrise traf das kleine Land doppelt, sei es der „schwarze Freitag“ 1929, der Vietnamkrieg oder die Entwicklung der Ölpreise. Um sich vom Kanal unabhängiger zu machen, beschloss Diktator Omar Torrijos Herrera 1969, andere Einnahmequellen zu erschließen. Das Land war politisch stabil und zudem finanziell an den Dollar gebunden. Das war für das Großkapital enorm attraktiv, und so liberalisierte man das Bankwesen, mit einem Bankgeheimnis wie in der Schweiz. Gleichzeitig wurden nahezu alle Devisenkontrollen und Beschränkungen für Transaktionen abgeschafft. Schon bald arbeiteten mehr Panamesen bei Banken als am Kanal. Riesige Vermögen flossen ins Land. Der Weg ins Steuerparadies und zur Gründung zahlloser Briefkastenfirmen war frei.

Quelle: Matrix3000 Band 95