12/22/2016 09:11

Transhumanismus - Wie viel ist Ihr Leben wert?

Category: Politik

In dem Hollywood-Thriller „Ruf der Macht“ will ein junger ehrgeiziger Anwalt (Josh Duhamel) einen mächtigen Pharmaboss (Anthony Hopkins) verklagen, weil er Testergebnisse gefälscht hatte. Der Chef der Anwaltskanzlei warnt ihn, die Sache sei eine Nummer zu groß - und fragt ihn: „Was schätzen Sie? Wie viel ist Ihr Leben wert? Das Ihrer Familie?“

Haben wir nicht alle im Sozialkundeunterricht gelernt, in der UN-Menschenrechtserklärung stehe, dass alle Menschen gleich sind? Da klingt es ziemlich provokativ, wenn ein Anwalt bei der Kostenkalkulation eines Prozesses den Wert seines eigenen Lebens mit einrechnen soll. Doch im Zeitalter zunehmenden Transhumanismus wäre es naiv zu glauben, dass es anders wäre.

Den Wert eines Menschen in Dollar auszudrücken, das erinnert im Grunde eher an die amerikanischen Sklavenmärkte des 19. Jahrhunderts. Für einen „erstklassigen männlichen Feldarbeiter“ musste ein Plantagenbesitzer damals rund 1.100 Dollar hinblättern, was im Sinne der Kaufkraft heute etwa 30.000 Dollar entspräche. Frauen, Kinder und nicht so kräftige Hausdiener waren weitaus billiger zu haben. Vergangen, vergessen - „vom Winde verweht?“ Natürlich werden heute - in der Regel - Menschen nicht mehr verkauft. Das heißt aber nicht, dass ihr Leben nicht einen ökonomisch kalkulierbaren Wert hätte!

In einer Zeit, da medizinische Versorgung immer teurer wird, rechnen Versicherungen, Behörden und private Unternehmer zunehmend mit menschenverachtenden Messgrößen, die abgekürzt harmlose Namen haben wie „VSL“ (Value of a statistical life). „Lohnt“ es sich versicherungstechnisch, bei einem Kranken eine bestimmte kostenintensive Behandlung anzuwenden, um sein Leben zu retten? Was müsste man den Hinterbliebenen statt dessen zahlen, wenn er sterben würde? Das Ergebnis kann bei einem millionenschweren Firmenboss ganz anders aussehen als bei einer Kassiererin im Supermarkt! Rechnet es sich wirtschaftlich, marode Schienennetze zu sanieren, oder wäre es nicht billiger, bei einem Zugunglück für die Opfer Särge zu kaufen? Eine solch makabre Rechnung eines britischen Eisenbahnunternehmens kam vor einigen Jahren tatsächlich ans Tageslicht. Wie viel lohnt es sich, in die Sicherheit von Straßen zu investieren? Mit wie viel Geld ist die Familie eines im Krieg gefallenen Soldaten zu entschädigen? Leben hat nicht nur einen Preis es hat Hunderte!

Da ist der Faktor, wie viel man investieren muss, um den Tod eines oder vieler Menschen zu verhindern. Das gilt wie gesagt nicht nur für die Medizin, auch etwa für Straßenbaubehörden. „Wert einer verhinderten Tötung“ nennt das US-Transportministerium den „Kostenfaktor Mensch“ in kaltherziger Bürokratensprache.

Noch ein Faktor ist der „materielle Wert“ eines Menschen. Hier geht es nicht mehr darum, die Kosten für die Erhaltung seines Lebens abzuschätzen, sondern wie viel man verdienen kann, wenn man ihn sterben lässt und anschließend „ausschlachtet“. Ein transplantationsfähiges gesundes Herz bringt rund 1,24 Millionen Dollar. Eine Niere noch über 300.000 Dollar, eine Augenhornhaut immerhin noch rund 28.000 Dollar.

Wenn Politiker, Behördenvertreter und Unternehmer vor laufenden Kameras beteuern, sie würden selbstverständlich nur zum Besten der Bevölkerung handeln, dann sollte man ihnen nicht glauben. Der Mensch ist längst vom Homo sapiens zum „Homo oeconomicus“, also zum wirtschaftlichen Kostenfaktor geworden.

Quelle: Matrix3000 Band 97