12/22/2016 09:39

Der Womanizer

Category: Wissen

Was so ein richtiger Womanizer ist, der braucht sich nur genügend aufzuplustern, und alle Frauen sind hin und weg. So denken die Männer sich das zumindest. Beim Pfau stimmt das sogar. Wenn der auf Brautschau geht, spreizt er seinen Schwanz mit den - zugegebenermaßen imposanten - Schwanzfedern, die in allen Farben schillern. Er ist geradezu sprichwörtlich geworden - man sagt, jemand „bläst sich auf wie ein Pfau.“ Der Pfau ist eben ein rechter Prahlhans, sozusagen der Donald Trump der Vogelwelt. Doch er scheint der unwiderstehlichen Wirkung seines prachtvollen Federkleides nicht ganz zu trauen. Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Dr. Roslyn Dakin (Universität British Columbia, Kanada) hat jetzt herausgefunden, dass der Pfau mit zusätzlichen Tricks arbeitet, um seine Angebetete herumzukriegen. Genauer gesagt - um ihren Widerstand auszuschalten. K.-O-Tropfen hat er ja nicht zur Verfügung, dafür aber etwas viel Raffinierteres. Seine Schwanzfedern sind nämlich nicht nur „hübsch“. Der Pfauhahn versetzt sie während der Balz in niederfrequente Vibrationen, bei einer Frequenz von rund 25 Hertz. Jeder hat wohl das rhythmische Zittern eines Pfauenschwanzes schon einmal gesehen. Es bedeutet keineswegs, dass der Pfau erregt ist und sich kaum mehr beherrschen kann. Es geschieht aus eiskalter Berechnung.

Mit der niederfrequenten Herumwedelei erreicht er nämlich auf einen Schlag gleich mehrere Ziele. Zunächst einmal beginnen die Augen seiner Schwanzfedern im unterschiedlich einfallenden Licht zu irisieren, was natürlich ihre Wirkung erhöht. Zweitens erzeugt die niederfrequente Vibration des gewaltigen Schwanzes einen entsprechend tiefen akustischen Ton, wie jeder bestätigen kann, der schon mal mit einem Fächer herumgewedelt hat. Dieser 25-Hertz-Ton ist für Menschen kaum noch hörbar, wohl aber für die Pfauhenne, die in diesem Moment noch nicht weiß, dass sie gelinkt werden soll. Sie wird durch diesen Ton und die optische Wirkung des vibrierenden Schwanzes regelrecht hypnotisiert, wie durch ein Pendel, mit dem der Hypnotiseur vor ihr herumfuchteln würde. Die Wirkung ist um so stärker, je größer der Schwanz ist. Vergessen Sie bitte, dass wir das jetzt gesagt haben… :-) Aber je länger die Federn sind, desto kräftiger muss der Pfau sein, um sie in Vibration zu versetzen (Archimedes - Hebelgesetze - schon mal gehört?).

Der Pfau - ein hypnotisierender Kraftprotz. Nicht schlecht für einen Vogel, der im Grunde mit gewöhnlichen Hühnern verwandt ist, die alledem nur Gegacker entgegenzusetzen haben!

Quelle: Matrix3000 Band 97