12/22/2016 10:21

Kurzsichtig - durch Intelligenz?

Category: Gesundheit

Haben Sie während Ihrer Schulzeit auch die Erfahrung gemacht, dass der streberhafte Klassenprimus meist eine Brille trug? Vielleicht haben Sie dem keine tiefere Bedeutung beigemessen, und doch: Die „Nerd-Brille“ ist derzeit sogar ein modisch höchst angesagtes Accessoire, auch für normale Durchschnittsmenschen. Myopie - die Kurzsichtigkeit - ist mit Abstand die häufigste Augenkrankheit, wie die Johannes- Gutenberg-Universität Mainz mitteilte. Und man sollte sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zwar sind stylische Brillen heutzutage leicht zu bekommen und man wird auch längst nicht mehr als „Brillenschlange“ diskriminiert.

Es besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für schwerwiegendere Folgeerkrankungen wie Grauen Star, Glaukom oder Makula-Degeneration. Dass Kurzsichtigkeit besonders häufig bei sehr klugen Menschen auftritt, ist auch Ärzten nicht unbekannt. In einer Studie konnte die Uni Mainz jetzt diesen Zusammenhang wissenschaftlich nachweisen. Auf der Basis von Daten einer allgemeinen Gesundheitsstudie, die früher in Mainz an 4000 Personen zwischen 40 und 79 Jahren erhoben wurde, untersuchte man diese spezielle Fragestellung. Danach erreichten Probanden, die eine Brille mit mindestens -0,5 Dioptrien trugen, signifikant bessere Ergebnisse bei Tests kognitiver Fähigkeiten als die Vergleichsgruppe, die keine Brille trug. Auch beim TOL-Test schnitten sie deutlich besser ab (TOL - Tower of London, ein Test zur Überprüfung logischer Denkfähigkeit über einen längeren Zeitraum. Somit schien ein Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kurzsichtigkeit gegeben. Bei genauerer Untersuchung ergab sich jedoch, dass der Bildungsgrad der Personen einen weitaus stärkeren Einfluss hatte als die bloße Intelligenz. Je mehr Jahre auf die Ausbildung verwendet wurden, desto höher das Risiko, eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln.

Nicht immer korreliert die Bildungsdauer mit der Intelligenz. Ein Hochbegabter kann trotzdem die Schule früher verlassen und einen praktischen Beruf erlernen. Sein Risiko für eine Augenerkrankung ist dann geringer. In welcher Weise eine längere Ausbildung die Sehfähigkeit beeinflusst, ist noch ungeklärt.

Quelle: Matrix3000 Band 97