12/22/2016 08:31

Der rätselhafte Tod des Edgar Allan Poe

Category: History

Edgar Allan Poe (Bild: Hulton Archive/Getty Images)

Bis heute sind seine Gruselgeschichten an Düsterkeit unübertroffen, und er beeinflusste ganze Generationen von Kriminal- und Horrorschriftstellern, von Sir Arthur Conan Doyle bis Agatha Christie, von Jules Verne bis Stephen King: Edgar Allan Poe, dessen eigenes Leben in vieler Hinsicht tragisch verlief und dessen früher Tod im Alter von nur 40 Jahren derart mysteriös war, dass er selbst es wohl nicht rätselhafter hätte ersinnen können.

Der Tod seiner jungen Frau Virginia im Jahre 1847 war ein Ereignis, das den begnadeten Schriftsteller völlig aus der Bahn warf. Er verfiel zunehmend dem Alkohol. 1849 reiste Poe nach Richmond, Virginia, wo er Elmira Shelton wieder traf, eine Jugendliebe, die inzwischen ebenfalls verwitwet war. Die beiden verlobten sich und wollten heiraten. Eine Chance auf ein zweites Glück.

Doch dazu kam es nicht mehr. Am 27. September 1849 verließ Edgar Allan Poe Richmond in Richtung Fordham, New York, wo er ein Cottage besaß. Dort kam er jedoch nie an, und was in den nächsten Tagen mit ihm passierte, blieb ungeklärt.

Am 3. Oktober fand ihn ein Passant in der Nähe eines irischen Pubs in Baltimore, Maryland, in hilflosem Zustand. Der herbeigerufene Arzt Dr. Joseph Snodgrass, ein Freund Poes, diagnostizierte nur, der Schriftsteller sei total betrunken. Was allerdings merkwürdig war - Poe trug schäbige, billige Kleidung, die keinesfalls ihm gehörte, zumal sie ihm nicht einmal passte und auch in Schnitt und Mode total von dem abwich, was Poe normalerweise trug. Dr. Snodgrass brachte den Dichter ins Washington College Hospital, wo er noch vier Tage dahinsiechte, immer wieder das Bewusstsein verlierend. Edgar Allan Poe starb am Morgen des 7. Oktober 1849.

Was über die ohnehin rätselhaften Umstände seines Todes hinaus weitere Fragen aufwarf, war die Tatsache, dass kein Totenschein ausgestellt wurde. Eine lokale Zeitung schrieb, er sei an einer „Gehirnstauung“ gestorben. Und wenig später publizierte sein Autoren- Konkurrent Rufus Griswold eine sehr bissige Biographie des Schriftstellers in dem er Poe als „moralisch bankrotten, trunksüchtigen Weiberhelden“ diskreditierte. Vieles in diesem Machwerk sehen Literaturwissenschaftler inzwischen als böswillig und übertrieben an. Doch was war Edgar Allan Poe wirklich zugestoßen? Vermutlich hat es sich so zugetragen: Die Politikerkaste Baltimores war zu jener Zeit notorisch korrupt, und es war mehr oder weniger üblich, dass Kandidaten im Vorfeld politischer Wahlen Schlägertrupps engagierten, die Jagd auf Obdachlose machten. Sie machten diese Menschen betrunken und schleppten sie von Wahllokal zu Wahllokal, damit sie immer wieder ihre Stimme für den gleichen Kandidaten abgaben (siehe hierzu auch unsere Meldung „Ab ins Wahllokal“). Der irische Pub, vor dem Poe aufgefunden wurde, war so ein Wahllokal, und an jenem 3. Oktober fanden Stadtratswahlen in Baltimore statt. Wie es dazu kam, dass die Schläger Edgar Allan Poe für einen obdachlosen Penner hielten, den sie als Opfer für ihre betrügerischen Absichten missbrauchen konnten, ist ungeklärt. Und wie der Dichter in die schäbigen Kleider kam, die seinem sonst eleganten Erscheinungsbild zuwiderliefen, bleibt so rätselhaft wie eine von Poes Gruselgeschichten...

Quelle: Matrix3000 Band 97