12/22/2016 12:33

Traum aus Lava und Feuer

Category: Mystery

Die Vulkankatastrophe von Krakatau. Zeitgenössischer Pressebericht über die Vulkankatastrophe aus dem Jahre 1883, hier aus der Zeitung „Harpers Weekly“.

Byron Somes war Reporter beim Boston Global, und an einem Sonntagabend im August 1883 war er an seinem Schreibtisch in der Redaktion eingeschlafen. Mitten in der Nacht wachte er auf aus einem aufs Äußerste beängstigenden Traum, den er gerade erlebt hatte. Es war ein zutiefst ungewöhnlicher Traum, und da er als Reporter daran gewöhnt war, sich Notizen zu machen, schrieb er sofort alle Details nieder, die er im Traum gesehen hatte.

Es war ein grauenhaftes Szenario gewesen mit Explosionen, Erdbeben und den Schreien zahlloser sterbender Menschen. Er sah den Untergang einer kompletten Insel im Meer durch den Ausbruch des Vulkans Krakatau. Somes schrieb noch das Wort „Wichtig“ auf seine Notizen, dann ging er nach Hause, um noch etwas zu schlafen. Da er sich am Montagmorgen nicht wohl fühlte, ging er nicht zur Arbeit.

Im Jahre 1883, als es noch keinerlei Radio- oder Fernsehübertragungen gab, flossen Informationen und Nachrichten noch relativ langsam um die Welt, selbst für Zeitungsredaktionen. Amerikanische Geologen waren an jenem Tag irritiert über seismische Störungen, die in der Nacht aufgezeichnet worden waren. Man hatte den Ursprungsort auf der gegenüberliegenden Seite der Erde, irgendwo in der Sundastraße im heutigen Indonesien lokalisiert.

Offenbar waren irgend jemandem in der Redaktion die Notizen auf Somes‘ Schreibtisch aufgefallen, auf denen das Wort „Wichtig“ stand, und er dachte, dass dies ein Bericht über die Ursache dieser seismischen Aktivitäten sei. Am Montag, dem 27. August 1883, erschien im Boston Globe eine sensationelle Story, die auf diesen Notizen aus Somes‘ Traum basierte, von denen niemand wusste, dass es nur ein Traum war. Andere Zeitungen überall im Land griffen die Story auf, und augenblicklich „wusste“ das ganze Land über den Ausbruch des Krakatau.

Das Management des Boston Globe wollte mehr Informationen haben über diese bemerkenswerte und mittlerweile sehr populäre Story, die die Auflage mächtig in die Höhe getrieben hatte. Also riefen sie Somes in die Redaktion, um mehr Details zu erfahren.

Somes klärte seine Chefs auf, dass das überhaupt keine Story war, sondern lediglich Notizen über einen schrecklichen Alptraum.

Somes wurde auf der Stelle gefeuert.

Der Boston Globe bereitete die Veröffentlichung eines Dementis vor, dass die Story nicht wahr sei, dass es ein bedauerlicher Fehler gewesen sei, nur ein Traum. Doch während man noch mit der Vorbereitung des Textes beschäftigt war, erreichten gewaltige Tsunamis die Küste Kaliforniens (die man damals fälschlicherweise noch als Gezeitenwellen bezeichnete), und aktuelle Meldungen über die Katastrophe trafen ein. Überlebende des Unglücks hatten mittlerweile Städte erreicht, die bereits Telegraphenverbindungen hatten und die nicht zerstört worden waren. Die eintreffenden Meldungen waren zu dem, was Somes in seinen Traumnotizen aufgeschrieben hatte, identisch.

Somes wurde auf der Stelle wieder eingestellt.

Andere Zeitungen wunderten sich darüber, wie der Boston Globe sie mit diesen Nachrichten derart hatte abhängen können. Beim Boston Globe dagegen entschied man sich, die Wahrheit über die Herkunft der Story nicht zu veröffentlichen. Statt dessen brachte man mehrere Folgeartikel, ohne zu erklären, wie man an eine Information gelangt war, die man eigentlich nicht hätte haben dürfen.

Somes hatte seinen Traum am späten Sonntagabend in Boston gehabt. Wegen der Zeitverschiebung und der internationalen Datumsgrenze war es zu jener Zeit am Krakatau schon Montagmorgen, genau die Zeit, die später als Moment des heftigen Vulkanausbruchs bestätigt wurde.

Dieser Fall ist einer der wissenschaftlich überzeugendsten Beweise für die Möglichkeit außersinnlicher Wahrnehmungen, da die Story zufällig landesweit veröffentlicht worden war, lange bevor irgendwelche Beweise verfügbar wurden, dass sie sich tatsächlich so ereignet hatte.

Quelle: Fosar/Bludorf: Welt am Limit. Peiting 2011.

Quelle: Matrix3000 Band 97