02/18/2017 10:32

Synthetische Telepathie vor der Serienreife

Category: Wissen

Prof. Rajesh Rao, Leiter des Brain-to-Brain Communication Forschungsteams an der Universität Washington

Im Jahre 2017 könnte es zur ersten wirklich stabilen Gehirn-zu-Gehirn- Kommunikation zwischen Menschen kommen. Diese Hoffnung äußern zumindest Gehirnforscher aufgrund ihrer aktuellen Fortschritte.

Eine solche Form synthetischer Telepathie ist nicht so einfach, wie man denken könnte. Menschliche Gehirne arbeiten individuell einzigartig, und unsere Art zu denken wird in entscheidender Weise beeinflusst durch unsere persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen. So führt der gleiche Gedanke bei unterschiedlichen Menschen zu völlig unterschiedlichen Mustern der Gehirnaktivität, so dass man diese nicht einfach physikalisch auf eine andere Person übertragen kann.

Die zur synthetischen Kommunikation geeignete Hard- und Software muss also zunächst die individuellen Gehirnmuster der Kommunikationspartner kennenlernen, um die Gedankenwellen des einen für den anderen verständlich zu übersetzen. Wenn dies gelingt, ist technische Gedankenübertragung kein großes Problem mehr.

Die Wissenschaftler experimentierten mit einfachen Frage- und Antwortspielen, wobei die Spieler in unterschiedlichen Räumen saßen. Die Fragen waren ausschließlich mit Ja oder Nein zu beantworten. Wenn der Sender ein „Ja“ dachte, wurde mit Hilfe sogenannter Transkranialer Magnetstimulation in der EEG-Haube des Empfängers ein für ihn geeigneter elektrischer Impuls induziert. Die Experimente verliefen erfolgreich. Man arbeitet nunmehr daran, auch komplexere Gedanken- und Entscheidungsmuster übertragen zu können.

Auch eine Art von elektronischen Think Tanks ist denkbar und bereits Gegenstand aktueller Forschungen. Dabei sammelt man die Gehirnaktivitäten mehrerer Individuum auf einem Computer zusammen. Affen lernten auf diese Weise bereits gemeinsam zu denken und im Teamwork einen Roboterarm zu steuern.

Ziel ist es, für den Einsatz beim Menschen Technologien zu entwickeln, die ohne invasive chirurgische Eingriffe auskommen. Synthetische Telepathie ist insbesondere vorgesehen als Hilfe für Gelähmte, um künstliche Gliedmaßen zu steuern und mit ihrer Umwelt kommunizieren zu können.

Quelle: New Scientist

Quelle: Matrix3000 Band 98

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