04/19/2017 13:14

60 Jahre EU

Category: Politik

Jean-Claude Juncker

Hat Europa noch eine Zukunft?

Ein Kommentar von Franz Bludorf

Die Römischen Verträge, abgeschlossen am 25. März 1957, also vor genau 60 Jahren, waren ein Signal der Hoffnung. Hoffnung darauf, dass Europa nach Jahrhunderten schrecklicher Kriege endlich zu einem Kontinent des Friedens zusammenwachsen würde. Die sechs Staaten der europäischen Kernzone, wie man sie heute nennt - Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Italien und (West-) Deutschland schlossen sich zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) zusammen.

Was als lockere Freihandelszone begann, wuchs im Laufe der Zeit zu einem Vielvölker-Moloch heran, der von einer realitätsentrückten Euro- Bürokratie in Brüssel zunehmend genervt wird. Natürlich brachte uns das vereinte Europa die längste Friedensperiode seit Menschengedenken. Es brachte uns auch Zollfreiheit und einen unkontrollierten Reiseverkehr.

Wer die deutsche Teilung noch miterlebt hat, mit den Schikanen der DDR-Grenzpolizisten, der weiß das durchaus zu schätzen. Niemand würde wohl behaupten, er wollte ernsthaft zu jener Zeit zurück. Aber die EU brachte uns eben nicht nur diese Vorteile, sondern auch den Euro, den entfesselten Plattmacher- Kapitalismus und das Verbot, krumme Gurken zu verkaufen. Selbst Hardcore-Europäer sehen ihre Ideale so langsam davonsegeln. In einem Interview des Deutschlandfunks zum 60. Geburtstag des vereinten Europas bat ein Reporter den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker um ein paar Ausblicke auf die Zukunft Europas. Der wehrte entsetzt ab, so als wäre ihm gerade der leibhaftige Gottseibeiuns begegnet: „Lieber nicht, lieber nicht.“

So weit haben Brexit und europaweiter Rechtspopulismus es gebracht, dass selbst die überzeugtesten EU-Verfechter nur noch in Erinnerungen an eine bessere Vergangenheit schwelgen mögen.

Leseprobe

Quelle: Matrix3000 Band 99

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