08/29/2013 08:46

Wird die Menschheit immer dümmer?

Category: Wissen

Die britische Königin Viktoria (1819-1901) gab einer ganzen historischen Epoche den Namen. Waren die Menschen ihrer Zeit klüger als heute?

Das Viktorianische Zeitalter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gilt als eines der produktivsten in der Menschheitsgeschichte. Die zahllosen technischen Erfindungen und wissenschaftlichen Entdeckungen jener Epoche beeinflussen uns ebenso noch bis in unsere heutige Zeit wie die damaligen großartigen Leistungen in Musik, Malerei und Literatur. Waren die Menschen etwa im 19. Jahrhundert klüger als heute?

Eine europäische Wissenschaftlergruppe aus Schweden, Belgien, den Niederlanden und Irland hatte sich zum Ziel gesetzt, mehr darüber herauszufinden. Das Ergebnis ihrer Studie veröffentlichten sie im Frühjahr 2013 im Fachjournal Intelligence

 Wie war eine solche Untersuchung eigentlich möglich, da es im 19. Jahrhundert die uns heute bekannten IQ-Tests noch gar nicht gab? Ohnehin sind IQ-Tests in der Fachwelt zunehmend umstritten, da die Ergebnisse zu stark vom Ausbildungshintergrund und Gesundheitszustand des Probanden sowie von gesellschaftlichen Normen beeinflusst werden. Was hingegen bereits seit dem 19. Jahrhundert häufig getestet wurde, war die Reaktionszeit von Testpersonen auf visuelle Reize. Die Forscher behaupten nicht, dass schnelle Reaktionszeiten an sich bereits hohe Intelligenz beweisen würden. Es gibt aber Hypothesen, wonach die Reaktionszeit geeignet sei, „wahre Intelligenz“ zu messen, die von äußeren Faktoren unabhängig ist. Es zeigte sich, dass im Zeitraum von 1884 bis 2004 die Reaktionszeit tatsächlich langsam anstieg – von 183 ms auf 253 ms bei Männern sowie von 188 ms auf 261 ms bei Frauen. Dies ist um so erstaunlicher, da die heutige Zeit viel schnelllebiger ist und viel höhere Reaktionsgeschwindigkeiten erfordert als im 19. Jahrhundert, etwa beim Autofahren oder bei der Bedienung komplizierter Maschinen.

Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Intelligenz der Menschheit in den vergangenen 100 Jahren tatsächlich zurückgegangen ist. Ein Grund könnte sein, dass aufgrund von Technisierung, medizinischem Fortschritt und Sozialgesetzgebung die Intelligenz kein unmittelbar zum Überleben notwendiger Faktor mehr ist. „Dumme“ können heute genau so alt werden wie „Schlaue“. Da Menschen aus bildungsschwachen Gesellschaftsschichten aber in der Regel mehr Kinder in die Welt setzen, könnte dies langfristig einen Einfluss auf die Durchschnittsintelligenz ausüben.

Quelle: Matrix3000 Band 77