10/26/2017 12:07

Abwarten und (keinen) Tee trinken!

Category: Politik

Nicht nur den Briten - den Teeliebhabern der ganzen Welt droht ab dem kommenden Frühjahr Ungemach. Vermutlich wird es ab diesem Zeitpunkt etwa ein halbes Jahr lang keinen Darjeeling-Tee geben.

Seit einigen Monaten befinden sich nämlich die Teepflücker in dem gleichnamigen nordindischen Distrikt in einem kollektiven Generalstreik. Seit Ende Juli ist das Zeitfenster für den „Second Flush“ vorüber, die Jahresernte verdorben.

Warum will man uns unseren Darjeeling-Tee nicht gönnen? Nicht etwa wegen höherer Löhne. Die Teepflücker - meist nepalesischer Herkunft - fordern mehr Autonomie. Der Distrikt gehört zum indischen Bundesstaat Westbengalen, und die Provinzverwaltung versucht, die eigenständige Kultur dieser Menschen zu unterdrücken. Beispielsweise will man ihnen untersagen, ihre Muttersprache zu verwenden und fordert, sie sollten statt dessen Bengalisch sprechen.

Die nepalesischen Teepflücker fordern nicht weniger als die Einrichtung eines eigenen indischen Bundesstaates Darjeeling, zumindest aber den gesetzlichen Schutz ihrer Kultur als Minderheit.

Könnte man bis zum Ablauf der Streitigkeiten den Darjeeling-Tee nicht woanders her beziehen? Leider nein. Die weltweit hoch geschätzte Teesorte darf sich nur so nennen, wenn sie auch aus Darjeeling stammt. Genau wie der Champagner aus Frankreich oder der Dijon-Senf. Die Darjeeling- Anbauflächen betragen lediglich 18.000 Hektar. Ein Wunder, dass der echte Darjeeling- Tee, den Kenner als den „Champagner unter den Teesorten“ bezeichnen, überhaupt bezahlbar ist.

Vorläufig reichen die Lagervorräte der Teehandelskontore in Europa und Großbritannien noch aus. Spätestens ab Februar 2018 kann es aber zu Engpässen kommen. Da kann man nur hoffen, dass es in Darjeeling bald zu einem fairen Kompromiss kommt.

Quelle: Matrix3000 Band 102

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