10/26/2017 12:12

Hilfe, wem Hilfe gebührt

Category: Politik

Melania und Donald Trump in ihrem Luxuspalast Mar-a-Lago (Foto: Vanity Fair)

Donald Trump hilft immer gern. Zumindest auf Twitter. Nach dem Hurricane Irma postete er: „Genau wie in Texas. Wir sind bei euch heute, wir sind bei euch morgen, wir werden bei euch sein an jedem einzelnen Tag danach, um aufzuräumen und wiederaufzubauen.“ Das suggeriert Tatkraft und päppelt schwindende Popularitätswerte auf.

Wer nichts wiederaufzubauen hat, ist Donald Trump selbst. Sein Luxus-Anwesen Mar-a-Lago bei Palm Beach hat offenbar nichts abbekommen. Die meterdicken Mauern und tief im Fels verankerten Betonpfeiler halten jedem Hurricane stand. „Das sicherste Gebäude der Welt!“, prahlte Trumps Butler Anthony Senecal in typischer Trump-Diktion.

Ein Aufruf des Filmemachers Michael Moore, Trump möge sein Anwesen, zu dem ja auch ein Hotelkomplex gehört, während des Sturms für Schutzsuchende öffnen, blieb allerdings unbeantwortet. Wo kämen wir auch hin, wenn Kreti und Pleti übernachten könnten, wo sonst nur registrierte Mitglieder Zugang haben. Aufnahmegebühr: 200.000 Dollar, später 14.000 Dollar Mitgliedsbeitrag pro Jahr.

Wie gesagt - Donald Trump hilft gern. Es muss ja nicht gleich sein eigenes Geld kosten...

Sich selbst lässt er allerdings immer gern helfen. Als 2005 Mar-a-Lago von drei Hurricanes getroffen wurde, ließ er sich von der Versicherung 17 Millionen Dollar zur Beseitigung von Sturmschäden auszahlen. War das Gebäude etwa doch nicht „das sicherste der Welt“? Hierzu befragt, erinnert sich Butler Senecal, es seien wohl damals ein paar Ziegel vom Dach gefallen und einige Bäume entwurzelt worden. Für 17 Millionen Dollar?

Der Fall ging vor Gericht, und in den Gerichtsakten findet sich eine Stellungnahme der Baubehörde von Palm Beach, es sei kein Antrag auf Baugenehmigung im Umfang von 17 Millionen aktenkundig. Am Ende musste Trump vor Gericht einräumen, er habe den größten Teil des Versicherungsgeldes für sich behalten.

Für die satte Versicherungsprämie, die ein solches Anwesen kostet, braucht Donald Trump übrigens nichts zu bezahlen. Sein mindestens ebenso hilfsbereiter wie fürsorglicher Amtsvorgänger Richard Nixon hatte ein passendes Gesetz erlassen. Danach werden Luxusvillen, die in einer Hurricane- Zone am Strand erbaut sind und die daher niemand versichern will, durch eine staatliche Gesellschaft abgesichert. Die Prämie wird praktischerweise gleich direkt vom Steuerzahler übernommen.

Halten wir fest: Während viele kleine Hausbesitzer in Florida durch den Hurricane Hab und Gut verloren haben - die haben dann eben Pech gehabt -, werden Multimillionäre gratis vom Staat rundherum abgesichert. Und diese Gratis-Versicherung scheint dann auch noch ungeprüft Schadenfälle anzuerkennen und Riesen-Entschädigungen locker zu machen.

Als der Hurricane Maria die Infrastruktur des US-Außenterritoriums Puerto Rico komplett vernichtete, bekam die Insel vom USFestland kaum Hilfe. Statt dessen twitterte Trump zunächst erstaunliche Geographiekenntnisse: „Das ist eine Insel mitten im Ozean. Es ist ein großer Ozean, es ist ein sehr großer Ozean.“ Und dann fügte er - aus seinem „sichersten Gebäude der Welt“ heraus - noch zynisch hinzu, die Leute dort würden sich ganz einfach zu wenig selbst helfen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es heißt ja immer wieder, es sei Zeit, sich endlich damit abzufinden, dass Trump auf - mehr oder weniger - demokratische Weise ins Weiße Haus gewählt wurde. Man solle also endlich damit aufhören, ständig auf ihm herumzuhacken. Doch selbst wenn die Wahl auch noch so sauber gewesen wäre - dies stellt den Präsidenten nicht außerhalb jeglicher Kritik, weder an seiner Person noch an seiner Amtsführung.

Was die wirklich vom Hurricane Geschädigten betrifft, so bleibt ihnen der Trost: Donald Trump ist bei ihnen. Tag und Nacht. Egal, ob sie sich das wünschen. Eine Aufnahmegebühr muss er dafür vermutlich nicht bezahlen.

Quelle: Matrix3000 Band 102

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