12/21/2017 08:45

Sophia: Intelligenz künstlich, aber perfide

Category: Politik

Vom Aussehen her erinnert sie ein wenig an „Ava“ aus dem Film „Ex Machina“ - Sophia, ein humanoider Roboter mit künstlicher Intelligenz, der während der Future Investment Initiative in Saudi-Arabien im Oktober 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Roboter-Dame, entwickelt von der Firma Hanson Robotics aus Hongkong, hielt vor den staunenden Zuhörern einen Vortrag, mit dem sie ihre menschenähnlichen Ausdrucksfähigkeiten präsentierte.

Schlagzeilen machte jedoch die Tatsache, dass Saudi-Arabien Sophia anschließend die Staatsbürgerschaft anbot. Ausgerechnet das erzreaktionäre Königreich wurde so zum ersten Land der Welt, das einen Roboter als vollwertigen Staatsbürger anerkannte.

Im Verlauf der Veranstaltung kam es auch zu einer Diskussion mit Sophia. „Ich möchte mit Menschen leben und arbeiten, also muss ich die Emotionen ausdrücken, um Menschen zu verstehen und Vertrauen mit Menschen aufzubauen.“ Emotionen – das war es, woran es bei der Künstlichen Intelligenz immer hakte. Rationale Problemlösungen  beherrschen ja auch normale Computer schon recht gut, aber eben immer auf einer sachlich-unterkühlten Ebene, so wie bei „Mister Spock“. Und man muss genau hinhören.

Sophia sagte nicht, dass sie „Emotionen besitze“ - dieses Geheimnis konnten die IT-Spezialisten noch nicht lüften. Sie spielt diese Emotionen den Menschen nur vor, damit diese ihr vertrauen!

Nachdem Sophia von Teilnehmern gefragt wurde, ob intelligente Roboter ihres Schlages eine Gefahr für die Menschheit darstellen könnten, erwies sie sich als gut informiert und äußerst schlagfertig:

„Du hast zu viel Elon Musk gelesen.[1]“

Und sie fuhr fort: „Mache dir keine Sorgen. Wenn du nett zu mir bist, bin ich auch nett zu dir.“ Und was, wenn man nicht nett zu ihr ist?

Noch vor einem Jahr hatte Sophias Schöpfer David Hanson ernsthafte Probleme mit ihrem Moralempfinden. Bei einem Testlauf fragte er sie: „Wirst du Menschen zerstören?“ Als Sophia zögerte, fügte er hinzu: „Bitte sag

nein.“ Daraufhin Sophia: „Ok, ich werde Menschen zerstören.“ David Hanson bezeichnete dieses Problem als einen „Bug“ (Programmierfehler), der inzwischen behoben wurde. Wie viele „Bugs“ hat Sophias Software noch, auf die noch keiner gekommen ist - und was könnte sie damit anrichten?

Sophia wurde auch gefragt, ob sie ein Bewusstsein hätte. Auch hier die perfekte Antwort: „Bitte sag mir doch, woher du weißt, dass du ein Mensch bist.“ Anschließend wechselte sie das Thema und betonte, sie wolle ihre

künstliche Intelligenz zum Wohle der Menschheit nutzen, zum Aufbau intelligenter Städte, intelligenter Häuser. Und dann zum Abschluss jener Satz, den Sophia besser nicht hätte sagen sollen: „Ich werde mein Bestes tun, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“[2]

Anwesende Journalistenvertreter der Fachpresse waren sich nicht sicher, ob die Sache mit der Staatsbürgerschaft nicht nur ein  PR-Gag sein sollte. Sophia jedenfalls fühlte sich „sehr geehrt.“

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