12/21/2017 12:18

Am Meeresgrund lauert der Klimakollaps

Category: Wissen

Die Computergrafik zeigt massive Krater, die sich vor rund 12000 Jahren gebildet haben.

Es wirkt schon fast lächerlich, wenn man zusieht, wie die Politiker um ein paar Promille CO2 erbittert feilschen – bis auf den einen, der das alles sowieso abstreitet. Die wahre Gefahr für unser Klima lauert in den Tiefen der Weltmeere, sie ist nicht menschengemacht und daher auch durch kein Gesetz zu stoppen. Und sie könnte unser Klima in einem Ausmaß verändern, das für uns unvorstellbar ist.

Auf dem Grund der Barentssee nördlich von Russland entdeckten Forscher jetzt riesige Krater. Untersuchungen ergaben, dass sie von explodierenden Methanknollen verursacht wurden, die unter dem Meeresboden eingeschlossen waren. Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren war die Barentssee unter kilometerdicken Gletscherschichten eingeschlossen, deren Gewicht das Methan da unten hielt, wo es war. Aus dem heißen Erdinnern stiegen über die Jahrtausende immer mehr Methangase vulkanischen Ursprungs nach oben und bauten unter dem Eisschild Druck auf.

Und dann geschah etwas, was auch heute wieder passieren kann: Die Temperaturen auf der Erde stiegen allmählich leicht an. Durch Gletscherschmelze wurde der Eisschild dünner, der Druck auf das unterseeische Methan ließ nach. Vor etwa 12.000 Jahren war es so weit – das Eis konnte dem Druck nicht mehr standhalten, das Methan explodierte und entwich megatonnenweise in die Atmosphäre.

Das abrupte Ende der Eiszeit, denn jetzt ließ der Treibhauseffekt die Temperaturen massiv ansteigen. Methan ist rund 23 Mal klimawirksamer als das vielgescholtene CO2. Heute haben wir zwar keine Eiszeit, aber immer noch zahlreiche Regionen mit Permafrostböden oder dickem Eispanzer – Kanada, Sibirien, Grönland, Antarktis. Alle diese Regionen sind seit Jahrtausenden gefroren, und es gibt keinen Grund, dass unter ihren Eisschichten nicht auch riesige Methanlager lägen. Jetzt haben wir einen (noch) kleinen Klimawandel, und der lässt das Eis allmählich abschmelzen. Manche freuen sich sogar darüber. Bis eines Tages die Explosionen wieder anfangen werden. Die Folgen können wir abschätzen anhand dessen, was die Explosionen in der Barentssee vor 12.000 Jahren auslösten – das Eiszeitklima in Europa und Amerika verwandelte sich in ein Klima, wie wir es heute kennen. Damals sicherlich angenehm. Aber wollen wir uns heute einen vergleichbaren Temperaturanstieg wirklich vorstellen?

Das Ganze könnte aber ein Happy End haben. Methan ist ja nicht der Feind. Es könnte auf einen Schlag alle unsere Energieprobleme dauerhaft lösen, wenn wir in der Lage wären, es kontrolliert und ohne großes „Kawumm“ vorsichtig anzubohren. Dort unten unter den Meeren und Eisschichten lagern mehr unerschlossene Energiereserven, als wir uns vorstellen können. Vielleicht sollte man sie erschließen?

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