10/29/2015 09:55

Ein PoC für Mister Spock

Category: Politik
By: Franz Bludorf

Sind Sie schon mal einem Trans*Inter*GnC PoC begegnet? Möglicherweise ja, und sollten Sie jetzt einwenden, Sie hätten keine Ahnung, was das überhaupt ist, dann ist das ein Beweis dafür, dass Sie nicht politisch korrekt denken. Und damit will ich das Geheimnis lüften: GnC ist ein Kürzel für „Gender non Conforming“, und PoC bedeutet nichts weiter als „Person of Color“.

Ein Trans*Inter*GnC PoC ist also ein transsexueller Farbiger. Politische Korrektheit muss sein, und aus diesem Grunde hatte die Humboldt-Universität Berlin im Rahmen einer soziologischen Publikation dem armen Afrikaner mit Migrationshintergrund, wie er kürzlich noch genannt werden durfte, diesen Bandwurm-Namen verpasst. Eigentlich eine prima Idee, auf Abkürzungen umzusteigen. Die sind so nichtssagend, dass sie garantiert nie als diskriminierend empfunden werden. Man denkt eher an den neuesten Intercity.

Übrigens: Ein PoC wird natürlich deshalb so genannt, um ihn von einem weißen Europäer zu unterscheiden, der demzufolge kein PoC, d. h. keine „Person of Color“ und damit „farblos“ ist. Komisch – ich hatte mich nie als farblos empfunden. Aber politische Korrektheit muss wohl nicht logisch sein.

Der Irrsinn treibt auch anderswo seine Blüten, etwa in Kalifornien. An den dortigen Universitäten kann ein Dozent seinen Job verlieren, wenn er Formulierungen verwendet wie „Amerika ist das Land der Möglichkeiten“ oder „Ich denke, der Qualifizierteste soll den Job kriegen.“ Solche scheinbar harmlosen Sätze gelten inzwischen als „Mikroaggressionen“. Die Formulierungen diskriminieren Leute, so die Meinung der Korrektheits-Experten, die durch Geschlecht, Herkunft, Religion etc. benachteiligt werden könnten, da man die Möglichkeit ihrer Benachteiligung ignoriert.

Wer in der Mathe-Vorlesung etwas nicht verstanden hat, sollte lieber keinen asiatischen Kommilitonen um Hilfe bitten. Das diskriminiert den nämlich, weil es die implizite Annahme voraussetzt, ein Asiate müsse gut in Naturwissenschaften sein. Warum diskriminiert das eigentlich ihn und nicht den weißen US-Boy, der ja dann logischerweise zu doof ist?

Weil man Weiße per definitionem nicht diskriminieren kann. Man könnte über diesen Blödsinn den Kopf schütteln und zur Tagesordnung übergehen, würde er nicht in so krassem Gegensatz zur gesellschaftlichen Realität stehen. Dort herrschen nämlich in der freien Wildbahn unserer Straßen eher Makroaggressionen.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein harmloser unbewaffneter PoC in den USA von der Polizei ganz legal erschossen wird, weil er beim Abbiegen zu blinken vergessen hatte und dann aus Angst vor Polizeigewalt nicht aussteigen wollte. In Deutschland brannten während des „Willkommens- Sommermärchens“ landesweit mehr als 60 Flüchtlingsheime. In Berliner Szenekneipen wird man bereits bedroht und um Geld erpresst, wenn man lediglich dunkelhaarig statt blond-blauäugig-germanisch aussieht. Migrationshintergrund muss gar nicht mehr sein, falsche Gene reichen schon.

Statt sich in lächerlichen Worthülsen zu verzetteln, an denen auch der mäkeligste Puritaner nichts mehr aussetzen kann, sollten sich Sozialwissenschaftler lieber Gedanken machen, warum die westliche Gesellschaft heute derart verroht ist, als hätte das biblische Armageddon bereits begonnen, und was man dagegen tun kann. Oder ist die Vergewaltigung unserer Sprache mit neuerschaffenen Wort-Ungetümen nur eine „ÜVA“ (eine Übersprungs-Verlegenheits- Aktivität – meine Erfindung) von Leuten, die erkannt haben, dass an der realen Gesellschaft sowieso nichts mehr zu retten ist?

Knobeln wir es aus: Stein – Schere – Papier – Echse – Spock.

Quelle: Matrix3000 Band 90

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